Gezielter Einsatz

Jäger nutzten schon vor 60.000 Jahren Giftpfeile

Wissenschaft
07.01.2026 20:00

Menschen im südlichen Afrika nutzten bereits vor rund 60.000 Jahren Giftpfeile. Damit gilt dieser Fund als der bislang früheste bekannte Beleg für den Einsatz von Gift auf Jagdwaffen. Steinzeitliche Jäger bestrichen ihre Pfeilspitzen demnach gezielt mit Pflanzengift eines Amaryllisgewächs.

Zur zeitlichen Einordnung: Vor etwa 60.000 Jahren verließ der Homo sapiens Afrika, Mitteleuropa erreichte er nach derzeitigem Wissen erst vor grob 50.000 Jahren. Der bisher früheste direkte Beleg für die Nutzung von Giftpfeilen ist den Forschern zufolge gut 4000 Jahre alt und stammt aus einem altägyptischen Grab.

„Vorausschauende Planung, Abstraktion und kausales Denken“
Die nun vorgestellten kleinen Pfeilspitzen aus Quarzgestein stammen von dem Felsüberhang Umhlatuzana Rock Shelter in der Provinz KwaZulu-Natal im Osten von Südafrika. Die Erdschicht, in der die Klingen gefunden wurden, ist etwa 60.000 Jahre alt. Auf fünf der insgesamt zehn kleinen Spitzen fand das Team Spuren von Giftstoffen, insbesondere vom Hauptwirkstoff der Pflanze Buphandrin.

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„Da Gift chemisch wirkt, mussten Jäger auf vorausschauende Planung, Abstraktion und kausales Denken zurückgreifen.“

Das Forschungsteam um Sven Isaksson von der Universität Stockholm

Beute leichter erlegbar
Diese Pflanze wird in Südafrika bis heute sowohl als Pfeilgift als auch als Heilmittel verwendet. Forschenden zufolge töteten die durch die Pfeile zugefügten Wunden insbesondere größere Tiere zwar nicht unbedingt direkt, aber das Gift schwächte sie und machte die Beute somit leichter erlegbar. Für ein solches Vorgehen mussten die Menschen das Verhalten der Tiere genau kennen und gleichzeitig über ein gutes Wissen der heimischen Pflanzenwelt verfügen.

Die wahrscheinlichste Quelle der Giftstoffe sei, so das Team, der milchige Saft aus der Zwiebel ...
Die wahrscheinlichste Quelle der Giftstoffe sei, so das Team, der milchige Saft aus der Zwiebel von Boophone disticha (im Bild).(Bild: Galumphing Galah - stock.adobe.com)

Zubereitung entscheidend
Die wahrscheinlichste Quelle der Giftstoffe sei, so das Team, der milchige Saft aus der Zwiebel von Boophone disticha. Das Amaryllisgewächs ist lokal auch als „Giftknolle“ (Gifbol) bekannt. Die milchige Absonderung der Zwiebel trocknet demnach in der Sonne zu einer gummiartigen Konsistenz und ist dann gebrauchsfertig.

Die Dosis macht das Gift
Bei Nagetieren könne das Gift selbst in kleineren Mengen innerhalb von 20 bis 30 Minuten zum Tod führen und auch beim Menschen Symptome wie etwa Übelkeit, Muskelerschlaffung und Atemlähmung verursachen. „Seine Wirksamkeit als Jagdgift hängt von der Zubereitung und Dosierung ab“, unterstreicht die Gruppe.

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