Betrieb läuft wieder

Eurotunnel-Chaos machte Silvesterpläne zunichte

Ausland
31.12.2025 06:53
Porträt von krone.at
Von krone.at

Chaos pur! Wegen Problemen mit der Oberleitung im Eurotunnel ist der Zugverkehr unter dem Ärmelkanal bis auf Weiteres eingestellt worden. Der Betreiber war um Schadensbegrenzung bemüht und vermeldete am Mittwoch die Wiederaufnahme des Betriebs. Für viele Reisende brachen dennoch die Pläne für den Jahreswechsel zusammen. 

Eine Familie aus Nigeria wollte etwa von London nach Paris fahren und hatte neben einer Bootsfahrt auf der Seine auch einen Ausflug nach Disneyland und Hotelübernachtungen für neun Personen gebucht und bereits bezahlt. „Um es kurz zu sagen, es ist ein Desaster“, zeigte sich Familienvater Charles Nduka-Eze gegenüber der britischen Nachrichtenagentur PA enttäuscht.

Die 33-jährige Ruby Sleigh wollte nach Brüssel fahren, um Silvester und den Jahreswechsel mit ihrem Freund zu verbringen, der in Deutschland lebt. „Ich habe mich schon lange darauf gefreut, deswegen war das super-frustrierend“, sagte Sleigh.

„Wir verlieren all unsere Airbnb-Buchungen, Museumsreservierungen und die Anzahlung für ein Restaurant“, schilderte eine Frau der französischen Zeitung „Le Parisien“ am Pariser Gare du Nord. „Alle Züge für morgen sind ausgebucht“, erklärte eine andere Frau dem „Parisien“ zufolge und fügte hinzu: „Wir bekommen nichts mehr vor dem 1. Januar!“

Riesige Menschenmassen warteten verzweifelt in London.
Riesige Menschenmassen warteten verzweifelt in London.(Bild: AFP/CARLOS JASSO)

Problem mit Oberleitung
Der Grund: Ein Autozug war durch den Stromausfall liegengeblieben, hieß es in einer Mitteilung des Zug-Betreibers Eurostar. Daher sei der Tunnel gesperrt worden. Man habe keine andere Wahl gehabt, als alle Verbindungen auszusetzen. 

Weitere Ausfälle möglich
In einer aktuellen Stellungnahme vom 31. Dezember heißt es: „Der Betrieb wurde heute wieder aufgenommen, nachdem es gestern im Eurotunnel zu einem Stromproblem gekommen war und es über Nacht weitere Probleme mit der Bahninfrastruktur gegeben hatte. Wir planen, heute alle unsere Verbindungen durchzuführen. Aufgrund von Folgewirkungen kann es jedoch weiterhin zu Verspätungen und möglichen kurzfristigen Zugausfällen kommen. Bitte prüfen Sie aktuelle Informationen zum Status Ihres Zuges auf der Seite „Zugstatus und Fahrpläne.“

Trotzdem betonte das Unternehmen: Wer auf bereits gestrichene Verbindungen gebucht war, soll „nicht anreisen“. Fahrgäste wurden dazu aufgefordert, ihre Reisen „dringend“ zu verschieben. Es könne zu enormen Verspätungen und kurzfristigen Ausfällen kommen.

Der britische Bahnbetreiber LNER teilte laut PA mit, in St. Pancras gestrandete Fahrgäste ...
Der britische Bahnbetreiber LNER teilte laut PA mit, in St. Pancras gestrandete Fahrgäste könnten kostenlos wieder nach Hause fahren.(Bild: EPA/TOLGA AKMEN)

Betroffene können laut Eurostar ihre Verbindungen kostenlos umbuchen, ihr Ticket gegen einen Gutschein eintauschen oder sich den Fahrpreis erstatten lassen. Gestrandeten Passagieren wurde die Erstattung von Übernachtungskosten und anderen Auslagen in Aussicht gestellt. Doch für viele dürfte das ein schwacher Trost sein.

Hunderte stranden in London und Paris
Zunächst waren auf der Webseite noch etliche Verbindungen als geplant oder lediglich verspätet angezeigt worden. Später waren fast alle Züge gestrichen.

Eurostar hatte alle seine Kunden dringend dazu aufgerufen, ihre Reisen zu verschieben. Zuvor war ...
Eurostar hatte alle seine Kunden dringend dazu aufgerufen, ihre Reisen zu verschieben. Zuvor war es auch an den Terminals auf beiden Seiten des Ärmelkanals zum Stillstand gekommen.(Bild: EPA/TOLGA AKMEN)

Auf Fotos waren Hunderten Menschen zu sehen, die sich im Wartebereich am Londoner Bahnhof St. Pancras in London aufhielten und vergeblich auf ihren Zug warteten. Der britische Bahnbetreiber LNER teilte laut PA mit, in St. Pancras gestrandete Fahrgäste könnten kostenlos wieder nach Hause fahren. Auch am Pariser Gare du Nord kamen ebenfalls viele Reisende nicht weiter.

Eurostar betreibt Hochgeschwindigkeits-Personenzüge zwischen Paris, Brüssel, Amsterdam und London. Mit dem Le-Shuttle-Autozug können Autofahrer zwischen dem französischen Calais und dem englischen Folkestone durch den Eurotunnel reisen.

Der rund 50,45 Kilometer lange Eurotunnel wurde 1994 in Betrieb genommen und verbindet Großbritannien mit dem europäischen Festland. Der nach Angaben von Eurostar längste Unterwassertunnel der Welt verläuft zwischen Calais in Nordfrankreich und Folkestone im Süden von Großbritannien. Er besteht aus drei separaten Tunnelröhren, je einer für jede Richtung und einem Service-Tunnel. Mit Autos kann der Tunnel nicht befahren werden.

Direkte Verbindungen nach Frankfurt und Genf geplant
Direktverbindungen nach Deutschland gibt es bisher nicht. Erst vor Kurzem hatte Eurostar aber angekündigt, sein Streckennetz auszuweiten und direkte Verbindungen von London nach Frankfurt und Genf anbieten zu wollen.

Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts 30 Millionen Fahrgäste pro Jahr zu befördern und dafür eine ganze Flotte von Doppeldecker-Zügen vom französischen Hersteller Alstom bestellt. Die neuen, 200 Meter langen Züge haben eine Kapazität von 540 Sitzplätzen – 20 Prozent mehr als die bisherigen. Sie sollen von 2031 an in Betrieb genommen werden.

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