31.03.2014 14:54 |

Kurzes Vergnügen

Stealth-Quickie: "MGS V: Ground Zeroes" im Test

Als kleinen Vorgeschmack auf das nächste große "Metal Gear Solid"-Epos mit dem Untertitel "Phantom Pain" - einen offiziellen Erscheinungstermin gibt es noch nicht - hat Konami kürzlich "Metal Gear Solid V: Ground Zeroes" veröffentlicht. Dabei handelt es sich um den Prolog zum kommenden Hauptspiel, der einen ersten Einblick in die Spielwelt gewähren und Fans die Wartezeit auf "Phantom Pain" verkürzen soll. krone.at hat sich Agent Snakes erstes Abenteuer für die neue Konsolengeneration genauer angesehen.

Wer bei "Ground Zeroes" auf ein für viele Stunden fesselndes Schleich-Epos mit dichter Handlung und spannender Schleich-Action hofft, wird mit Konamis kleiner "Metal Gear Solid"-Vorspeise nur bedingt glücklich. Nach gut zwei Stunden hatten wir die Hauptmission im Test bei gemütlicher Spielweise durch - das ist selbst angesichts eines Budgetpreises von gut 25 Euro ziemlich kurz und ginge bei entsprechend aggressiver Spielweise noch weit schneller. Serienveteranen werden keine 90 Minuten brauchen, um "Ground Zeroes" durchzuspielen, haben danach aber immerhin noch ein paar Zusatzmissionen, an denen sie sich für einige Stunden versuchen können.

Komplexe Story kann den Einstieg schwer machen
Aber der Reihe nach, zunächst zur Handlung. "Ground Zeroes" spielt Mitte der Siebziger am Höhepunkt des Kalten Kriegs. In Gestalt des Top-Agenten Snake, der für die Organisation Militaires Sans Frontieres (MSF) arbeitet, macht sich der Spieler auf, zwei Informanten aus dem Hochsicherheits-Gefangenenlager Camp Omega auf kubanischem Boden zu befreien. Die Zielpersonen sollen Informationen über die Geheimorganisation Cipher besitzen, die sich Zugang zu nuklearen Waffen verschaffen will.

Wer den PSP-Ableger "Peace Walker" gespielt hat, wird sich einigermaßen schnell in "Ground Zeroes" zurechtfinden. Wer eine detailliertere Einführung braucht, findet diese in Textform im Hauptmenü und im cineastisch inszenierten Intro, das die Geschehnisse vor Snakes Abenteuer in Camp Omega zusammenfasst. So oder so: Die spannende und wie ein Thriller erzählte Handlung von "Metal Gear Solid V: Ground Zeroes" ist trotz - oder gerade wegen - der kurzen Spielzeit sehr komplex und nicht immer ohne Weiteres nachvollziehbar.

Dafür ist "Ground Zeroes" aber immerhin spielerisch relativ zugänglich. In klassischer Stealth-Manier ist es Snakes Aufgabe, Camp Omega unbemerkt zu infiltrieren und die Gefangenen zu befreien. Dafür verschafft sich der Agent von Weitem mit dem Fernglas einen Überblick, beobachtet Feinde, studiert die Wege von Suchscheinwerfern und Patrouillen, identifiziert Schwachstellen in der Verteidigung und versucht letztlich unter Zuhilfenahme von Agenten-Zubehör, möglichst lautlos und unbemerkt ins Camp einzudringen und seine Zielpersonen zu finden.

Schwierigkeitsgrade für jeden Spielertyp vorhanden
Je nach Schwierigkeitsgrad gibt's dabei mal mehr, mal weniger Hilfestellung. Wer auf niedrigeren Stufen spielt, erhält beispielsweise eine Markierfunktion fürs Fernglas, mit der Feinde dauerhaft auch durch Wände hindurch sichtbar bleiben. Wird Snake entdeckt, gibt es auf weniger anspruchsvollen Schwierigkeitsstufen zudem eine kurze Zeitlupensequenz, in welcher der Gegner ausgeschaltet und davon abgehalten werden kann, Verstärkung zu rufen. Wer es schwieriger mag, verzichtet auf diese Hilfen.

Dadurch lässt sich "Ground Zeroes" erfreulich gut an die eigenen Anforderungen anpassen und sollte sowohl Einsteigern als auch Profis das für sie passende Spielerlebnis bieten. Erfreulich ist auch die spielerische Freiheit, die "Ground Zeroes" bietet. Nicht nur ist die Spielwelt frei begehbar, was alternative Routen und Vorgehensweisen begünstigt. Man darf auch wählen, ob man lieber subtil oder rabiat vorgeht.

Wer mag, kann auch in "Rambo"-Manier in Camp Omega eindringen. Dabei sollte man sich allerdings der ziemlich gewieften künstlichen Intelligenz der Gegner bewusst sein und damit rechnen, dass sich Schusswechsel in die Länge ziehen. Unter Beschuss geratene Feinde neigen nämlich dazu, Verstärkung zu rufen.

Stealth-Gameplay atmosphärischer als "Rambo"-Action
Als zielführender und atmosphärisch wirkungsvoller entpuppte sich beim Probespielen deswegen die Stealth-Vorgangsweise, bei der Snake Gegner nach Möglichkeit umgeht, im Zweifelsfall aber auch lautlos ausschaltet. Dabei hat man die Qual der Wahl: Feindliche Soldaten können mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen werden, aufzugeben. Man darf sie ausquetschen, um möglichst viele Informationen zu gewinnen. Und sie können bewusstlos gewürgt werden. Mit der schallgedämpften Maschinenpistole erschießen geht freilich auch.

In jedem Fall gilt es, ihre Körper verschwinden zu lassen – sonst schlagen die Wachen schneller Alarm, als es dem Spieler lieb ist. Dank einer präzisen und direkten Steuerung - subjektiv empfanden wir sie als deutlich intuitiver als in bisherigen Serienteilen - geht das alles gut von der Hand und stellt den Spieler nicht vor unlösbare Herausforderungen. Nett: Über eine Begleit-App für Android und iOS kann das Smartphone als Karte verwendet werden und auf ein paar andere Features im Spiel zugreifen.

Sehr hübsche Lichteffekte, gelungene Vertonung
Erfreulich gut ist auch die Optik von "Metal Gear Solid V: Ground Zeroes" geworden. Die Spielwelt - in der Hauptmission sieht man sie hauptsächlich im Zwielicht - ist detailliert und glänzt in der getesteten PS4-Version mit scharfen Texturen und Full-HD-Auflösung. Auch und insbesondere die Charaktere sind gut gelungen: Snake wirkt lebensecht, ist geschmeidig animiert und sogar die Gegner sind keine Pixel-Klone ihrer selbst, sondern verfügen über unterschiedliche Charaktermodelle. Optische Highlights waren aus unserer Sicht vor allem die für Schleich-Games so wichtigen Licht- und Schatteneffekte sowie die ausdrucksstarken Gesichter.

Da passt es ins Bild, dass "Ground Zeroes" hervorragend vertont ist. Nicht nur, was den unaufdringlichen und ein Gefühl der Spannung erzeugenden Soundtrack angeht, sondern vor allem auch die Sprachausgabe. Die englischen Sprecher - es gibt deutsche Untertitel - machen ihre Sache gut, die Lippenbewegungen der Figuren passen zum Gesprochenen und immer wieder schnappt man beim Schleichen interessante Gespräche zwischen den Wachen auf. Auch die Geräuschkulisse - Schritte, Bewegungen, Umgebungsgeräusche - sorgt für eine gut getroffene Atmosphäre.

Fazit: So kommt es, dass wir letztlich weder in puncto Sound, Optik noch Gameplay große Schwächen an "Ground Zeroes" bemäkeln können. Tatsächlich handelt es sich um ein gut gelungenes Schleich-Game mit komplexer Handlung, das atmosphärisch viel bietet. Aber eben weil "Ground Zeroes" gut gelungen ist, hätten wir gerne mehr Zeit mit Snake verbracht und nicht nach gut zwei Stunden den Abspann gesehen. Auch wenn ein paar Zusatzmissionen bereitstehen: Am Ende ist "Ground Zeroes" ein unterhaltsamer Schleich-Quickie, der die Vorfreude auf ein hoffentlich deutlich ausgiebigeres "Phantom Pain" schürt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Plattform: PS3, PS4 (getestet), Xbox 360, Xbox One
Publisher: Konami
krone.at-Wertung: 7/10

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