10 Fragen vor Prozess

Könnte René Benko in Innsbruck freikommen?

Gericht
14.10.2025 06:00

Am Dienstag steht Rekord-Pleitier René Benko vor Gericht. Der Prozess findet unter großem Medienandrang statt, zwei Verhandlungstage sind anberaumt. Die „Krone“ beantwortet die zehn brennendsten Fragen. 

1. Worum geht es im ersten Prozess gegen Benko seit der Signa-Pleite?
Zuerst einmal: Bei dem ab Dienstag verhandelten Prozess handelt es sich um einen verhältnismäßig kleinen Teil des großen Signa-Puzzles, das die zuständige Soko im Auftrag der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zusammensetzt. 

Benko wird vorgeworfen, noch kurz vor Beginn des Signa-Konkurs-Tsunamis – und insbesondere angesichts seines bevorstehenden persönlichen Konkurses – Geld beiseitegeschafft und so die Befriedigung seiner zahlreichen Gläubiger verhindert bzw. geschmälert zu haben.

2. Welche Rolle spielt die in diesem Zusammenhang genannte Hungerburg-Villa? 
Kurz vor dem großen Signa-Crash Ende 2023 besorgte sich Benko, der mit seiner Familie damals eine Luxusliegenschaft in Igls bewohnte, ein zweites Domizil in Innsbruck: Er ließ im Oktober 2023 über Vertraute sowie seine Schwester eine Mietvorauszahlung über 360.000 Euro organisieren, um eine 385-Quadratmeter-Villa samt 1000 Quadratmeter Garten und 181-Quadratmeter großer Terrasse bereitzustellen, die ebenfalls einer Benko-Stiftung gehört. Im Mietvertrag, ausgestellt auf Benko und seine Ehefrau, hieß es: „Die Mieter leisten zu Mietbeginn eine Mietvorauszahlung in Höhe von 4 Jahresmieten.“
Für die WKStA stellt der Vorgang eine sogenannte betrügerische Krida dar – nicht zuletzt, weil die Hungerburg-Villa wegen umfangreicher Reparaturarbeiten damals gar nicht bewohnbar war. Benkos Familie nutzt das Luxusdomizil erst seit 2025 als Wohnsitz.
Außerdem wird Benko vorgeworfen, 300.000 Euro aus einer Schenkung seiner sogenannten „Stroh-Mama“ an diese zurücküberwiesen zu haben, weil er bereits mit seiner eigenen Pleite gerechnet haben soll.

Benko-Villa auf der Hungerburg: 385 Quadratmeter Wohnfläche, 1000 Quadratmeter Garten
Benko-Villa auf der Hungerburg: 385 Quadratmeter Wohnfläche, 1000 Quadratmeter Garten(Bild: Johanna Birbaumer)

3. Wie läuft der Prozess im Detail ab?
Angesetzt sind zunächst zwei Verhandlungstage. Der erste startet am Dienstag um 9 Uhr und ist für die Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sowie für die Befragung Benkos vorgesehen. Am zweiten Verhandlungstag werden die Zeugen vernommen. Acht Personen sind geladen, darunter Verwandte und Wegbegleiter Benkos. Allerdings wird erwartet, dass sich einige der Aussage entschlagen könnten, da gegen sie selbst Ermittlungen laufen. Es kann auch sein, dass die Verteidigung noch Beweisanträge stellt. Generell geht man aber davon aus, dass es am Mittwoch zu einem Urteil kommen könnte. Den Vorsitz führt Richterin Andrea Wegscheider, ihr zur Seite sitzen zwei Schöffen.

4. Welche Strafe droht Benko im Fall einer Verurteilung?
Im angeklagten Tatbestand der betrügerischen Krida droht Benko, der die Vorwürfe vehement bestreitet, eine Freiheitsstrafe von einem bis zu maximal zehn Jahren. Die tatsächliche Strafe würde im Falle einer Verurteilung wohl deutlich unter der Höchststrafe liegen: Benko gilt vor dem Gesetz als unbescholten. Seine Verurteilung wegen versuchter verbotener Intervention aus dem Jahr 2013, die vom Gericht damals als „Musterfall von Korruption“ bezeichnet wurde, ist mittlerweile getilgt und darf dem 48-jährigen Signa-Gründer nicht mehr vorgehalten werden.

5. Warum bleibt Frau Benko der Weg zu Gericht erspart?
Laut Ermittlern soll Nathalie Benko ihrem Mann noch kurz vor seiner persönlichen Pleite im März 2024 dabei geholfen haben, elf Luxusuhren, acht Paar Manschettenknöpfe und 120.000 Euro in bar in einem neu angeschafften Tresor bei Verwandten vor Benkos Masseverwalter zu verbergen. Auch zu diesem Faktum hat die WKStA beim Landesgericht Innsbruck im September Anklage erhoben. Beide Benkos legten dagegen Einspruch ein. Da das Oberlandesgericht Innsbruck darüber noch nicht entschieden hat, kann die „Tresor-Causa“ nicht im ersten Benko-Prozess behandelt werden.

Über eine Mietvorauszahlung für die Villa im Innsbrucker Stadtteil Hungerburg (Bild) soll René ...
Über eine Mietvorauszahlung für die Villa im Innsbrucker Stadtteil Hungerburg (Bild) soll René Benko Vermögen beiseite geschafft haben.(Bild: Krone KREATIV/Johanna Birbaumer, APA/GEORG HOCHMUTH, Krone KREATIV)

6. Könnte Herr Benko am Mittwoch als freier Mann aus dem Gericht spazieren?
Das ist äußerst unwahrscheinlich. René Benko sitzt seit dem 24. Jänner in der Justizanstalt Wien-Josefstadt in Untersuchungshaft. Bislang blieben sieben Anträge auf Enthaftung erfolglos. Die Wiener Haftrichterin verlängerte die U-Haft zuletzt wegen Tatbegehungsgefahr bis längstens Anfang November. 
Das bedeutet: Selbst wenn Benko in Innsbruck in dieser Woche freigesprochen würde, bliebe er aufgrund der laufenden Ermittlungen in Wien weiterhin in Haft – zumindest bis zur nächsten Haftprüfung.

7. Welche Taktik verfolgt die WKStA?
In der jüngeren Vergangenheit hat Österreich mehrere umfangreiche Großverfahren erlebt, die das Vertrauen in die Effizienz der Justiz nicht unbedingt gestärkt haben. Von Eurofighter bis zum BUWOG-Komplex rund um Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser dauerten die Ermittlungen oft Jahre oder gar Jahrzehnte, ehe ein Gericht befasst wurde.

Im Fall Benko gehen die Staatsanwälte offenbar anders vor: Fertig ermittelte Teilsachverhalte werden zügig zur Anklage gebracht. 
Allerdings war Benkos Geflecht aus mehr als tausend Signa-Gesellschaften derart komplex, dass Ermittler und Masseverwalter bei der Aufarbeitung des bankrotten Erbes immer wieder neue Fakten zutage fördern. Diese einzelnen Vorgänge haben häufig nichts miteinander zu tun – außer, dass die Ermittler Benko als Urheber und Anstifter sehen. Die Fakten lassen sich daher als eigene Ermittlungsstränge untersuchen und gegebenenfalls einzeln anklagen.

8. Welche Ermittlungen sind gegen Benko weiterhin anhängig?
Die WKStA ermittelt gegen den Finanzjongleur mittlerweile in mehr als einem Dutzend weiterer Ermittlungsstränge. Dabei geht es um schwere vermögensstrafrechtliche Delikte wie Untreue und schweren Betrug.
In Italien ermittelt die Anti-Mafia-Staatsanwaltschaft Trient wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung im Zusammenhang mit Immobilienprojekten, in Deutschland laufen Geldwäscheermittlungen.
Benko hat sämtliche Vorwürfe bestritten – es gilt die Unschuldsvermutung.

9. Wo stehen die Ermittlungen zu den verschobenen Gardasee-Villen und zur verunglückten Kapitalerhöhung?
Zu beiden Sachverhalten wird von der Soko Signa seit 2024 intensiv ermittelt.
Im August 2023 stand Benkos Signa bereits am Abgrund. Als ein koreanischer Investor eine erhoffte 400-Millionen-Finanzierung absagte, begann eine „Villenverschiebung“: Sechs Gardasee-Liegenschaften, von Stararchitekten wie David Chipperfield entworfen, wurden im Abtausch gegen Signa-Aktien – die bald darauf wertlos sein sollten - in die Liechtenstein-Stiftung der Benkos übertragen. Transferwert: rund 46 Millionen Euro.

Beim sogenannten „Geldkarussell“ geht es um eine Kapitalerhöhung im Sommer 2023. Als es Spitz auf Knopf stand, soll Benko seine Investoren dazu gebracht haben, frisches Kapital zuzuschießen, indem er selbst mit angeblich gutem Beispiel voranging und aus seiner Stiftung 35 Millionen Euro beisteuerte. Dieses Geld soll jedoch – so der Verdacht – gar nicht aus der Benko-Stiftung gekommen sein: Benko soll es zuvor im Wege einer Kreisüberweisung aus der Signa-Gruppe entnommen haben.

10. Ist Benko tatsächlich arm wie eine Kirchenmaus?
Das ist die entscheidende Frage, die die österreichische Justiz wohl noch Jahre beschäftigen wird – insbesondere in zahlreichen Zivilprozessen gegen die Stiftungen, in denen Benko bereits vor Jahren Millionenbeträge geparkt und damit vor dem Zugriff seiner Gläubiger in Sicherheit gebracht haben soll. Bei der Gründung dieser Stiftungen war der große Signa-Crash noch nicht absehbar – das unterscheidet sie wesentlich von der angeklagten Tresor-Causa und der Mietvorauszahlung, die in dieser Woche am Landesgericht Innsbruck verhandelt wird. Bei diesen im Vergleich zu Benkos Stiftungsvermögen fast symbolischen „Last-Minute-Aktionen“ soll Benko bereits sicher mit seinem Bankrott gerechnet haben, so die WKStA.

Beim Stiften jener hunderten Millionen an Gold, Wertpapieren, Bargeld und Immobilien wird ihm dieser Vorwurf hingegen nicht gemacht.

Laut der vertraulichen Bilanz, die der „Krone“ vorliegt, verfügte alleine die Laura Privatstiftung mit Sitz in Innsbruck im Jahr 2022 über ein Vermögen von 649,01 Millionen Euro.

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