Mo, 17. Dezember 2018

Anwalt warnt:

12.12.2013 16:05

RedTube-Abmahnwelle "war erst der Anfang"

Seit Tagen sorgen die Massenabmahnungen einer Regensburger Anwaltskanzlei wegen des angeblich illegalen Streamings von Pornofilmen für Aufregung. Jetzt hat sich erstmals Abmahnanwalt Thomas Urmann selbst zu Wort gemeldet, er meint: "Diese Abmahnwelle war erst der Anfang."

Seit Ende letzter Woche wurden schätzungsweise mehrere 10.000 deutsche Internetnutzer abgemahnt. Sie sollen über die Porno-Plattform RedTube - angeblich illegal - per Streaming urheberrechtlich geschützte Werke des Rechteinhabers The Archive AG konsumiert haben – und werden dafür nun zur Kasse gebeten: Gefordert werden jeweils 250 Euro (siehe Infobox).

Wie Abmahnanwalt Urmann jetzt gegenüber dem Internet- und Urheberrechtsanwalt Christian Solmecke in einem Telefonat verriet, dürfte diese Abmahnwelle "erst der Anfang" sein. Betroffen seien bislang zwar nur Kunden der Deutschen Telekom, Auskunftsbeschlüsse für andere Internetprovider seien jedoch bereits erwirkt worden, so Urmann. Aufgrund der Vielzahl seien sie aber noch nicht verschickt worden.

Der Abmahnanwalt deutete laut Solmecke außerdem an, dass RedTube nicht die einzige Plattform sei, die überwacht werden könne. In den kommenden Jahren werde es daher nach Urmanns Ansicht noch Tausende weitere Abmahnungen geben, schreibt Solmecke in seinem Unternehmensblog.

Herkunft der IP-Adressen nach wie vor fragwürdig
Wie die IP-Adressen der betroffenen Nutzer ermittelt werden konnten, verriet Urmann indes nicht und berief sich stattdessen auf seine anwaltliche Schweigepflicht. Dass die Auskunftsbeschlüsse beim zuständigen Landgericht Köln einfach durchgewunken worden seien, wie von anderen Kollegen behauptet (siehe Infobox), weist der Anwalt jedoch zurück: In einigen Verfahren hätten die Richter noch Gutachten angefordert und sich den Sachverhalt näher erklären lassen. Erst danach habe man die Auskunft gestattet.

Auch Streaming laut Abmahnanwalt Download
Auf die Frage Solmeckes, warum im entsprechenden Auskunftsantrag von Downloadportalen die Rede sei, obwohl RedTube in Wirklichkeit ein Streamingportal sei, erwiderte Urmann: "Hier ging es doch um 'Progressive Downloading'. Fragen Sie mich nicht zu den technischen Details, aber auf Wikipedia ist nachzulesen, dass nach dem Anschauen eines solchen Streams nachher die gesamte Datei im temporären Ordner auf der Festplatte liegt."

Abkassieren vor Weihnachten
Gegenüber Solmecke verriet Urmann übrigens auch, dass man die Abmahnwelle gar nicht selbst losgetreten habe, sondern - wohl aufgrund der eigenen Expertise bei früheren Massenabmahnungen im pornografischen Bereich - von einem Rechtsanwalt namens Daniel Sebastian um Unterstützung gebeten worden sei. Solmecke zufolge räumte Urmann zudem ein, die Abmahnungen aus gutem Grund noch vor Weihnachten verschickt zu haben. "Dahinter liegt ein logisches Kalkül der Kanzlei, nach Weihnachten haben die Menschen kein Geld mehr und können auch die geforderten 250 Euro nicht zahlen", so Solmecke.

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