Mo, 20. August 2018

KfV-Prognose

09.12.2013 08:17

2013 erstmals weniger als 500 Verkehrstote

Heuer wird es in Österreich erstmals weniger als 500 Verkehrstote geben. Laut einer Prognose des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) werden bis Jahresende 2013 etwa 460 Todesopfer auf den Straßen erwartet. "Das Risiko, durch einen Verkehrsunfall getötet zu werden, hat sich seit dem Jahr 2000 um mehr als die Hälfte reduziert", sagte Othmar Thann, Direktor des KfV am Montag.

Anfang des Jahrtausends verzeichnete die Statistik noch 976 Tote. Damals lag die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall getötet zu werden, bei neun Promille. 13 Jahre später liegt sie nach der KfV-Prognose bei vier Promille. Das schwärzeste Jahr in der Unfallstatistik war bisher 1972. Damals kamen 2.948 Menschen im Straßenverkehr ums Leben.

Sieht man sich die getöteten Verkehrsteilnehmer im Detail an, ergibt sich folgendes Bild: Den größten Rückgang gab es bei den Pkw-Insassen, nämlich zwei Drittel seit dem Jahr 2000. Die Zahl getöteter Fußgänger halbierte sich im selben Zeitraum. Den geringsten Rückgang verzeichneten mit elf Prozent die Motorradfahrer. Eine "sehr starke Zunahme" habe es jedoch von 2012 auf 2013 gegeben, sagte Thann. Im Jahresvergleich gebe es hier nämlich plus 58 Prozent getötete Motorradlenker und Mitfahrer. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Radfahrern und Fußgängern.

Thann: "Das Reißverschlusssystem funktioniert nicht"
Aus diesem Grund sprach sich Thann für eine neue Straßenverkehrsordnung aus, die "weniger komplex, aber besser dazu geeignet ist, Unfälle zu vermeiden". Nicht nur der Trennverkehr, auch der Mischverkehr im urbanen Bereich müsse in den Mittelpunkt gestellt werden, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer möglichst einen gleichen Stellenwert erhalten. "Kleine Ansätze" seien hier schon geschehen, als Beispiel nannte Thann die Einführung von Begegnungszonen. "Auf andere Rücksicht zu nehmen" sei in Österreich im Unterschied zu skandinavischen Ländern zum Beispiel jedoch "sehr heikel": "Bei uns funktioniert nicht einmal das Reißverschlusssystem", kritisierte der KfV-Chef.

Weniger Unfälle trotz höheren Verkehrsaufkommens
Zurückgegangen sind in den 13 Jahren auch die Verkehrsunfälle: Im Jahr 2000 wurden bei 42.126 Unfällen knapp 55.000 Menschen verletzt, für heuer prognostiziert das KfV 37.000 Unfälle mit 45.000 Verletzten. Zugenommen haben wiederum die "Fahrleistung und der Kraftfahrzeugsbestand", sagte Thann. Gab es im Jahr 2000 knapp 5,6 Millionen Fahrzeuge, sind es heuer bereits 6,3 Millionen.

Eigentlich hätte die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer bereits bis 2010 auf unter 500 gesenkt werden sollen. So sah es das erste Verkehrssicherheitsprogramm aus dem Jahr 2002 vor. Die jährlichen Etappenziele wurden bisher regelmäßig verfehlt. Besser sieht es heuer aus: "Wir sind der Prognose zwei Jahre voraus", sagte Thann. Das Etappenziel für 2015 lautet nämlich maximal 466 Verkehrstote. Das Österreichische Verkehrssicherheitsprogramm 2011 bis 2020 sieht eine Reduktion der Zahl der Verkehrstoten auf maximal 311 Menschen in den verbleibenden sieben Jahren vor. "Eine Restgröße wird bleiben, es gibt Unfälle, die nicht vermieden werden können", sagte Thann.

Ziel bis 2020: Kein Kind soll durch Unfall getötet werden
Ein weiteres Ziel des KfV bis zum Jahr 2020: "Kein Kind soll durch einen Unfall getötet werden", erklärte Thann. Im Vorjahr gab es 20 tote Kinder auf den Straßen, die meisten verunglückten als Mitfahrer in Pkw. Insgesamt kamen 28 Kinder bei Unfällen ums Leben.

Im Europavergleich befindet sich Österreich bezüglich der Verkehrstoten im Mittelfeld. "Wir haben uns von den Hinterbänken hinauf gearbeitet ", meinte der KfV-Direktor. In Malta und Großbritannien sterben am wenigsten Menschen auf den Straßen. Hierzulande gibt es 5,42 Getötete pro 100.000 Einwohner, in Deutschland sind es beispielsweise 4,1 Getötete. Thann ist zuversichtlich, dass Österreich "in fünf Jahren an der Spitze in Europa" stehen werde.

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