„Wie Plastikpuppe“

Baby geschüttelt: Hohe Haftstrafen für Eltern

Gericht
10.03.2026 19:25

Das kleine Mädchen entwickelt sich prächtig, aktuell können keine Folgeschäden festgestellt werden. Das hätte aber ganz anders ausgehen können, nachdem der Vater das zwei Monate alte Kind heftig geschüttelt hatte. Wegen versuchten Mordes wird der 33-Jährige jetzt nicht rechtskräftig zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Mutter wegen Beitrags zu zehn – sie habe tatenlos zugesehen.

Die Kleine sei vom Wickeltisch gefallen – so verantwortet sich ein 33-Jähriger auch am zweiten Prozesstag im Wiener Landl. Seine kleine Tochter wurde mit nur zwei Monaten ins Krankenhaus eingeliefert, musste dort notoperiert werden und kämpfte um ihr Leben. Die Diagnose: Schütteltrauma.

Baby wurde in Gewalt-Beziehung geboren
Das Baby wurde am 29. März 2025 in eine hochproblematische Beziehung hineingeboren. Das Paar lernte sich kennen, als der siebenfach vorbestrafte Deutsche gerade im Gefängnis saß. Bereits einige Wochen nach seiner Entlassung sei er gewalttätig gegenüber der 38-Jährigen gewesen – auch, als sie schwanger wurde.  „Er hat eine sehr kurze Zündschnur“, erklärt die gelernte Krankenpflegerin am ersten Prozesstag.

Mutter soll einfach weggeschaut haben
Als sich die Gewalt dann auch gegen ihre neugeborene Tochter gerichtet hat, habe sie laut Staatsanwaltschaft nichts unternommen. Deswegen ist auch sie wegen Beitrags zum versuchten Mord durch Unterlassung angeklagt. Ärztinnen im Zeugenstand sprechen von Serienrippenbrüchen unterschiedlichen Alters, Hirn- und Netzhautblutungen, sowie einer lebensbedrohlichen Schwellung des Gehirns. All das machte eine Notoperation notwendig.

Zitat Icon

Mit dem Kind ist er umgegangen, wie mit einer Plastikpuppe.

Mutter der 38-jährigen Angeklagten

Im Zeugenstand nimmt außerdem die Mutter der angeklagten 38-Jährigen Platz. Zusammen mit ihrem Mann hat sie die Obsorge für ihre kleine Enkelin beantragt, die gerade in einer Pflegefamilie untergebracht wird und sich glücklicherweise prächtig entwickelt. Auch sie berichtet von Gewalt gegen ihre Tochter durch ihren Partner. „Mit dem Kind ist er umgegangen, wie mit einer Plastikpuppe“, beschreibt die Zeugin.

Mutter hätte es besser wissen müssen
Die Staatsanwältin plädiert am Ende des Prozesses: „Müsste man auch als Laie nicht davon ausgehen, dass ein Säugling daran sterben könnte?“ Sie spricht von dem heftigen Schütteln des kleinen Mädchens, das dem Vater vorgeworfen wird. Und, das das Baby fast das Leben gekostet hätte. Und über die Mutter, die es besonders als ausgebildete Krankenschwester besser hätte wissen müssen. 

Das sehen auch die Geschworenen so: Am Abend verurteilen sie die Mutter wegen Beitrags zum Mordversuch durch Unterlassung zu zehn Jahren Gefängnis. Der Vater fasst wegen versuchten Mordes an seiner kleinen Tochter 20 Jahre Haft aus. Der 33-Jährige wird außerdem in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht. Eine dissoziale Persönlichkeitsstörung mit einer hohen Neigung zu Gewalt macht den schwer Vorbestraften gefährlich. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt