Mann „starb zweimal“
Jahrhundertunwetter löst Cold Case in Spanien
Über vier Jahrzehnte lang galt Miguel Morales Molina in Spanien als verschollen. Im Jahr 2016 sogar offiziell für tot erklärt worden. Viel zu früh, wie es sich jetzt herausstellte. Denn der Vater zweier Töchter war bis vor wenigen Monaten noch am Leben.
Er wurde nun als eines der mehr als 230 Todesopfer des verheerenden Unwetters vom vergangenen Herbst in der Region Valencia identifiziert. Im vorigen November, kurze Zeit nach den historischen Flutwellen vom 29. Oktober 2024, wurde seine Leiche in einem überschwemmten Orangenhain unweit der Metropole Valencia – knapp 500 Kilometer nordöstlich des Heimatortes des Mannes – geborgen.
Identität durch Fingerabdrücke bestätigt
Über die ungewöhnliche Lösung des Vermisstenfalls berichteten am Wochenende unter anderem die Zeitungen „El País“ und „El Mundo“. Die Identität des Opfers – des Mannes, „der zweimal starb“, wie „El País“ titelte – sei anhand von Fingerabdrücken zweifelsfrei bestätigt worden, hieß es unter Berufung auf die Behörden.
In diesem Beitrag sind die Urne und der Reisepass des „zweimal Verstorbenen“ zu sehen:
Seine beiden Töchter Jessica und Sara waren erst fünf und zwei Jahre alt, als der damals 34-Jährige im August 1984 in Durcal in der Provinz Granada spurlos verschwand. Nach Angaben von Bekannten lebte Miguel jahrelang als Obdachloser unter einer Brücke in Valencia. Er sei nicht aufgefallen, weil er keine Papiere gehabt, offenbar nie einen Arzt aufgesucht und zum Beispiel auch nie Geld von einer Bank abgehoben habe.
Frau reichte kurz vor Verschwinden Scheidung ein
Der Anruf der Polizei mit der Nachricht, ihr wie vom Erdboden verschluckter Mann sei erst jüngst gestorben, ließ Maria Montserrat weitgehend kalt, sagte seine ehemalige Partnerin und pensionierte Reinigungskraft zu „El Mundo“. Miguel habe Drogen konsumiert und sie mehrfach misshandelt. „Er hat mich ein ums andere Mal verprügelt. Sogar seine Eltern sagten zu mir: Trenne dich oder er bringt dich um.“
Montserrat habe lange ausgehalten, aber kurz vor seinem Verschwinden habe sie die Scheidung eingereicht – nachdem er sie mit einem Messer attackiert habe, obwohl sie gerade eines der beiden Kinder in den Armen hielt. „Irgendwie haben wir diese ganze Zeit immer gedacht, dass er noch am Leben sei“, sagte Tochter Sara im Interview von „El País“. „Ich habe ihn aber nie suchen wollen.“

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