Nach den Semesterferien beginnt in Oberösterreich die Einschreibung für etwa 15.000 Erstklässler. Jedes zehnte Kind muss in die Vorschule, bei Zuwanderern ist sogar ein Viertel betroffen. In einer neuen Studie zeigen sich viele Kindergartenpädagoginnen besorgt.
Schulpflicht ist Schulpflicht, da fährt der Zug drüber! Nach den Semesterferien starten die Einschreibungen für rund 15.000 Kindergartenkinder, die im Herbst in die Volksschule wechseln. Doch viele sind noch gar nicht reif fürs kleine Einmaleins, Lesen und Schreiben – oder einfach fürs Aufpassen.
Im Schnitt verbringen in Oberösterreich elf Prozent der Kleinen das erste Jahr in der Vorschule. Schaut man sich diese Gruppe noch genauer an, dann stammt ein Großteil aus Familien mit niedrigem Bildungsniveau und auch Migrationshintergrund. Etwas mehr als ein Viertel der Kinder aus Familien mit nicht-deutscher Umgangssprache wird als nicht schulreif eingestuft.
Mehr als die Hälfte der Kinder hat Defizite
Das passt zu einer nun veröffentlichten Umfrage der Pädagogischen Hochschule Tirol unter Pädagoginnen, die in „Brennpunkt-Kindergärten“ tätig sind. Also in Betreuungseinrichtungen mit mehr als 50 Prozent Anteil von Buben und Mädchen mit nicht deutscher Erstsprache und deren Eltern ein niedriges Bildungsniveau aufweisen – das sind in Oberösterreich 17 Prozent aller rund 750 Kindergärten.
Dabei kam heraus, dass 70 Prozent der Kindergartenleiterinnen bei mehr als der Hälfte ihrer Schützlinge „kein gutes Gefühl“ haben, beurteilten vor allem die kognitive und sprachliche Entwicklung und noch viel mehr die soziale-emotionale Entwicklung als sehr oder eher schlecht. Besonders um Kinder von Zuwanderern aus der Türkei, dem arabischen und afrikanischen Raum sorgen sich die Pädagoginnen.
Die Schulreife beurteilen abschließend aber die Lehrkräfte an den Volksschulen. Die Schulpflicht lässt sich nicht aufschieben, wenn ein Kind vor dem 1. September sechs Jahre alt wird – den Kindergarten verlängern, geht also nicht.
Schaut man zu lange zu, wird der Schaden schlimmer, als wenn man gleich etwas unternimmt – auch wenn es noch nicht so dringend aussieht. Das ist beim Reparieren daheim ähnlich wie bei der Bildung.
Im Kindergarten scheint es egal, ob die Kleinen mit drei oder fünf Jahren „zum Spielen“ kommen. Ist es aber nicht, gerade nicht bei Kindern aus problematischem Umfeld. Es ist entscheidend, sie schnell zu integrieren und bestmöglich zu stärken. So würden viele – nicht alle – Probleme rascher erkannt, schon vorm Schuleintritt. Die Kindergartenpflicht ausweiten ist ein Ansatz – die Kinder würde es sicher nicht stören.
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