17.07.2013 15:37 |

Abdrücke in Höhlen

Buschleute enträtseln Spuren von Eiszeit-Jägern

Mithilfe namibischer Buschleute haben Wissenschaftler bei der Analyse der 17.000 Jahre alten Fußspuren von Eiszeitmenschen in den südfranzösischen Bilderhöhlen verblüffende neue Erkenntnisse gewonnen. In einer ungewöhnlichen Expedition hatten deutsche Archäologen San-Jäger zurate gezogen und sie stichprobenartig etwa 500 Fußabdrücke in Höhlen in den Pyrenäen-Höhlen begutachten lassen.

"Die Geschichte der einzelnen Höhlen muss umgeschrieben werden", sagt der Forscher Andreas Pastoors vom Neanderthal Museum im deutschen Mettmann. So sprachen etwa die Fußspuren in der Höhle von Niaux nicht wie bisher angenommen für eine gebückte Haltung, obwohl die Höhle eine niedrige Decke hat. Die San (die auch Buschleute genannt werden) fanden vielmehr heraus, dass ein etwa zwölfjähriges Mädchen dort aufrecht gegangen sein muss. Bisher gingen Forscher davon aus, dass zwei Kinder die Spuren hinterlassen hatten.

Ein Fußabdruck in der Höhle von Fontanet galt bisher als der einzige Abdruck aus der Eiszeit von einem beschuhten Fuß. Die San-Jäger kamen zu einem anderen Schluss: Auch dieser Abdruck stamme von einem barfuß gehenden Menschen - sie erkannten Zehenabdrücke. Aus bisher noch nicht wissenschaftlich bearbeiteten Fußabdrücken in der Höhle lasen die Buschleute, dass sie von rund 16 Menschen im Alter von drei bis 60 Jahren stammen.

Fußspuren bis dato nur Randthema
Die Untersuchung der Hand- und Fußspuren in den Bilderhöhlen war in der Erforschung der eiszeitlichen Kunst bisher nur ein Randthema. Die Erkenntnisse der San müssten bei zukünftigen Forschungsarbeiten berücksichtigt werden, sagte Pastoors. "Wir haben als westliche Wissenschaftler nicht die Fähigkeit, das so zu lesen."

In den 1920er-Jahren fingen Archäologen zwar an, Alter, Größe und Geschlecht der Menschen durch die Vermessung der Spuren zu entschlüsseln. Zumeist wurden die Abdrücke aber mit rituellen Handlungen in Verbindung gebracht. Diese Spekulationen widerlegten die Buschleute: In der Höhle von Tuc d'Audoubert lasen sie aus den Fußspuren, dass ein etwa 38-jähriger Erwachsener mit einem etwa 14 Jahre alten Kind dort Lehm abgetragen hatte. Bisher hatten Forscher von den Spuren auf einen rituellen Tanz mehrerer Jugendlicher geschlossen.

Anhand der jetzt analysierten Fußspuren auf die Bedeutung der Höhlenmalereien zu schließen, sei allerdings nicht möglich, sagte Tilman Lenssen-Erz von der Forschungsstelle Afrika der Universität Köln. Den Archäologen sei es um die Tätigkeiten der prähistorischen Menschen in den Höhlen gegangen.

San gelten als beste Spurenleser der Welt
Die San (so werden eine Reihe ethnischer Gruppen im südlichen Afrika bezeichnet) gelten als die besten Spurenleser der Welt, sie arbeiten in ihrer Heimat häufig als Fährtensucher und Jagdführer.

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