Übers Wochenende wurde "intensiv über eine Auffanglösung verhandelt", so Riel. Die Gespräche für Übernahmevarianten hatten auf Initiative von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer stattgefunden - ohne Ergebnis. Nun will der Masseverwalter am Montag die Schließung der Alpine GmbH beantragen.
Nur noch knapp sechs Millionen liquide Mittel übrig
Bei der Insolvenzeröffnung verfügte die Alpine Bau GmbH laut Masseverwalter lediglich über liquide Mittel von rund 5,7 Millionen Euro. Der Liquiditätsbedarf hätte sich jedoch alleine für eine Fortführung von rund zwei Wochen zur Durchführung erster Prüfungen bereits auf rund 40 Millionen belaufen.
Auch seien keine Eingänge für die Masse zu erwarten gewesen, weil offene Forderungen mit Abtretungen an andere Gläubiger belastet sind und eine Finanzierung durch einen Massekredit von den wichtigsten beteiligten Banken abgelehnt wurde. Auch die spanische Unternehmensmutter FCC sei zu keiner Unterstützung bereit gewesen, so Riel weiter.
FCC sicherte sich rechtzeitig "Filetstück"
Am Samstag war bekannt geworden, dass sich die Spanier noch rechtzeitig ein "Filetstück" gesichert haben: Die Tochtergesellschaft Alpine Energie wurde laut dem Nachrichtenmagazin "profil" in den vergangenen Monaten aus dem Konzern herausgelöst und in eine eigens errichtete Beteiligungsgesellschaft GmbH mit Sitz in Wien eingebracht. Diese Gesellschaft ist zu 100 Prozent im Besitz von FCC, womit das Gläubigerkapital erheblich gemindert wurde.
Regionale Übernahmen statt Auffanggesellschaft
In Östereich sind rund 4.900 Alpine-Mitarbeiter von der Pleite betroffen. Für sie soll es nun regionale Übernahmen in den einzelnen Bundesländern geben. Positive Signale kommen unter anderem aus Tirol. Zur Stunde wird über mögliche Deals verhandelt.
Mit der Schließung der Alpine enden die Arbeitsverhältnisse allerdings nicht, teilte der Chef der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH), Josef Muchitsch, mit. "Nach der Genehmigung des Schließungsantrags durch das Handelsgericht bleiben diese einen Monat lang weiter aufrecht."
Gewerkschaft warnt Beschäftigte vor Kündigungen
Muchitsch warnt die Alpine-Beschäftigten vor voreiligen Schritten in Richtung Kündigung. Vor einem eventuellen Firmenwechsel bzw. Übertritt in eine neue regionale Übernahmegesellschaft sollen sich die Betroffenen die finanziellen Auswirkungen durchrechnen lassen, rät die Gewerkschaft. Dazu haben die Arbeitnehmer noch über einen Monat Zeit, die Löhne und Gehälter werden vorerst aus dem Insolvenzentgeltfonds bezahlt.
Die GBH führt noch 31 Betriebsversammlungen durch, um die 4.900 unmittelbar Betroffenen in Österreich über ihre rechtlichen Möglichkeiten zu informieren. Insgesamt beschäftigt der Bauriese rund 7.500 Mitarbeiter im Inland und ebenso viele im Ausland. Einige Unternehmensteile wie etwa die Alpine Energie, die Hazet Bau, die Alpine Bemo Tunneling oder die Universale Bau sind nicht insolvent.
In mögliche regionale Übernahmelösungen für die rund 1.400 Baustellen und 400 Arbeitsgemeinschaften in den Bündesländern setzt Muchitsch große Hoffnungen. Der regionale Markt sei an regionalen Lösungen sehr interessiert. Das vorhandene Auftragsvolumen belaufe sich auf rund 800 Millionen Euro.
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