Konzertkritik

Ein Ehrendirigent und eine brillante Solistin

Vorarlberg
21.10.2024 19:30
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

Das zweite Abokonzert des Symphonieorchesters Vorarlberg am Sonntag im Bregenzer Festspielhaus überraschte und überzeugte. 

Ein einzelner Satz aus einer Symphonie ist ein ungewöhnlicher Beginn eines Konzerts. Noch dazu, wenn dieser Satz, nämlich der vierte Satz „Adagietto“ aus Gustav Mahlers „Fünfter“, so zart und subtil ist, wie man es sich nur vorstellen mag. Doch dieser Satz hat tatsächlich ein Eigenleben. Der Komponist schickte ihn quasi als Liebesbrief an seine angebetete Alma Schindler, die bald darauf seine Frau wurde. In den 1970ern wurde das Stück dann als Filmmusik zu Luchino Viscontis „Tod in Venedig“ Kult.

Der eine oder andere Zuhörer erinnerte sich vielleicht, dass Kirill Petrenko im Rahmen seines Mahler-Zyklus mit dem SOV ebenfalls dieses „Adagietto“ interpretierte. Auffallend schlicht damals, während Gérard Korsten es im aktuellen Konzert durchaus romantisch anlegte, Rubati und Geigenschluchzer erlaubte.

Ein selten zu hörendes Werk
Nah und doch fern erwies sich die folgende Kammersymphonie Nr.2 von Arnold Schönberg. Nah, denn sie entstand nur wenige Jahre nach Mahlers „Fünfter“, und fern, da der Charakter von Schönbergs Werk völlig gegensätzlich ist und weniger von Emotionen denn von Sachlichkeit zeugt. Das zweisätzige Werk ist tonal in Es-Dur gehalten, wenngleich es teils erst nach der atonalen Phase des Komponisten wie auch nach seiner Hinwendung zur Zwölftonmusik entstand. Vom Symphonieorchester Vorarlberg unter seinem Ehrendirigenten Gérard Korsten mit großem Engagement gespielt, war man dankbar für die Begegnung mit dem selten zu hörenden Werk.

Doch der große Höhepunkt dieses Programmes sollte nach der Pause folgen. Mit dem Cellokonzert von Antonín Dvořák liefen das SOV und sein Dirigent Gérard Korsten zur Hochform auf, sicherlich inspiriert durch die charismatische Solistin des Abends, der in Wien lebenden Holländerin Harriet Krijgh.

Der füllige Klang ihres Instruments, ihre hochromantische Spielweise und ihre Hingabe an die Musik faszinierten, ebenso ihre Dialoge mit den durchwegs exzellenten Orchestersoli, etwa dem Horn (Andreas Schuchter), der Oboe (Heidrun Pflüger) oder der Flöte (Anja Novotny-Baldauf). Mit einer schlichten Sarabande von Bach bedankte sich Harriet Krijgh für den großen Beifall, der nicht zuletzt auch Gérard Korsten galt, der das SOV von 2005 bis 2018 leitete und es zu dem machte, was es jetzt ist: ein fabelhafter Klangkörper. 

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