Frisst Maden auf

Schmeißfliege könnte Mordermittlungen erschweren

Wissen
16.10.2024 15:06
Porträt von krone.at
Von krone.at

Eine klimabedingt nun auch in Mitteleuropa vorkommende Schmeißfliegenart (Chrysomya albiceps) könnte die Verbrechensaufklärung erschweren. Denn diese Fliegenart frisst andere Maden auf Kadavern auf bzw. beeinflusst die Entwicklungszeit von Insektenlarven.

„Ihr aggressives larvales Fressverhalten könnte die postmortale Insektenuhr zurückdrehen, indem alle früheren Ankömmlinge beseitigt werden“, erklärt Kadaver-Ökologe Christian von Hoermann von der Universität Würzburg. „Für Forensiker ist es wichtig, zu wissen, wo diese Schmeißfliege vorkommt.“ Insekten auf Leichen können eine wichtige Hilfe bei Mordermittlungen sein. Hunderte von Insektenarten bevölkern dann den toten Körper – und liefern Experten eine Vielzahl an Spuren. Wenn aber diese weggefressen werden, werden die Bestimmung des Todeszeitpunktes und andere Details – wie zum Beispiel, ob die Leiche bereits an einem anderen Ort gelegen ist – schwieriger.

Befall von Wisent-Kadaver untersucht und Fliege entdeckt
Von Hoermann hatte für ein Forschungsprojekt zusammen mit dem Tiergarten Nürnberg, dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem tschechischen Nationalpark Šumava Ende Juli einen toten Wisentbullen (Bison bonasus) im Šumava-Nationalpark ausgelegt – unweit zur Landesgrenze Bayerns. Nach Angaben des Tiergartens war dies die erste Auslegung eines Wisentkadavers unter gezielter wissenschaftlicher Beprobung und Beobachtung in Mitteleuropa.

Fliege lebte bisher nur in orientalischen und tropischen Regionen
Mehr als zwei Monate beobachteten die Wissenschafter, wie das Tier zerfiel. Dabei sei erstmals die Schmeißfliege Chrysomya albiceps in dem Nationalpark entdeckt worden. Bisher waren Funde nur aus wärmeren Gebieten in Südeuropa, den orientalischen und tropischen Regionen bekannt.

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