Videodreh mit Folgen

Acht Monate Haft für Tanz auf Denkmal in Italien

Ausland
24.09.2024 17:39
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein in Udine lebender Rapper ist vom Obersten Gericht in Rom wegen eines Videodrehs rechtskräftig verurteilt worden. Grund ist aber nicht das Video an sich, sondern vielmehr der Ort: Der junge Mann tanzte nämlich auf den Stufen der Gedenkstätte in Redipuglia in der norditalienischen Region Friaul Julisch Venetien, wo die Überreste von mehr als 100.000 Gefallenen des Ersten Weltkriegs ruhen.

Der aus Ghana stammende Justin Owusu wurde deswegen rechtskräftig zu acht Monaten Haft verurteilt. Der Freund, der das Video drehte, wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt. Der Fall geht auf das Jahr 2017 zurück, als die beiden Männer auf YouTube einen Videoclip veröffentlichten, in dem sie zum Rhythmus des Raps auf den Grabsteinen tanzten.

Diese Geste, die als respektlos gegenüber dem Ort und den Toten angesehen wurde, führte zur Anklage wegen Verstoßes gegen Artikel 408 des italienischen Strafgesetzbuchs, der die Schändung von Gräbern unter Strafe stellt.

Verschärfte Herkunft des Sängers die Strafe?
Die Verurteilung erfolgte bereits in erster Instanz durch das Gericht der Stadt Gorizia (Görz) im Jahr 2020 mit einer Strafe von acht Monaten für den Rapper und sechs Monaten für seinen Freund. Das Berufungsgericht von Triest hatte das Urteil später bestätigt. Die Verteidigerin des Rappers hatte argumentiert, dass die Absicht des Videos nicht darin bestand, die gefallenen Soldaten zu verunglimpfen, sondern dass es sich um eine Kunstform handle. Die Verteidigung hatte außerdem die Vermutung geäußert, dass die afrikanische Herkunft des Rappers das Urteil negativ beeinflusst habe.

Trotz dieser Argumente wies der Oberste Gerichtshof in Rom die Berufung zurück und bestätigte das Urteil. Die Richter stellten klar, dass „Ehrfurcht vor den Toten“ unabhängig von den Absichten der Angeklagten respektiert werden müsse. Das Urteil stellt einen wichtigen Präzedenzfall für die Rechtsprechung zur Verunglimpfung von Grabstätten dar.

Gedenkstätte einst unter Mussolini errichtet
Redipuglia ist der größte Soldatenfriedhof Europas mit den Überresten von 100.000 Gefallenen und liegt 30 Kilometer von Triest entfernt. Er wurde unter Benito Mussolini 1938 errichtet. Die Terrassen stellen symbolisch einen riesigen Soldatenantritt dar, auf dessen höchstem Punkt sich drei helle Kreuze erheben, die an Golgatha erinnern. Papst Franziskus hatte am 13. September 2014 – 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs – die Gedenkstätte von Redipuglia besucht.

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