Telekom-Prozess

Broker: “Art der Geldübergabe war abenteuerlich”

Wirtschaft
13.02.2013 17:15
Der Broker Johann Wanovits (Bild) hat am dritten Verhandlungstag im Telekom-Prozess rund um Kursmanipulationen im Jahr 2004 seinen Aktiendeal, der dazu führte, dass die Telekom 8,8 Millionen Euro Bonus auszahlen musste, verteidigt. Wegen des finanziellen Risikos ging für ihn auch seine Bezahlung durch die Telekom - 1,5 Millionen Euro - in Ordnung. Die Art der Geldübergabe befand er aber am Mittwoch als "abenteuerlich".

Bei einem Treffen eines Blasmusikvereins im Burgenland kam Börsenmakler Wanovits (54) mit dem Telekom-Mitarbeiter Josef T. (55) in Kontakt. Im Februar 2004 fragte dieser an, ob es Wanovits möglich sei, große Mengen an Telekom-Aktien zu kaufen - um den Kurssprung auf 11,70 Euro pro Aktie zu schaffen. Wanovits willigte ein und beobachtete den Börsenkurs der Telekom: "Dabei sah ich, dass es offenbar Iceberg-Orders gab." Dass also jemand daran interessiert war, den Kurs mit versteckten Verkäufen zu drücken.

Dies war für ihn die moralische Rechtfertigung, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Letztlich auf Weisung von Josef T. und dem nunmehrigen Kronzeugen der Anklage, Gernot Schieszler, kaufte er auf eigenes finanzielles Risiko 1,2 Millionen Telekom-Aktien. Der Kurs übersprang die 11,70-Euro-Marke. Was dazu führte, dass der Vorstand einen saftigen Bonus ausbezahlt bekam. Dies lastet der Staatsanwalt den Vorständen Heinz Sundt, Rudolf Fischer und Stefano Colombo nun als Untreue an.

"Das war abenteuerlich, was da gemacht worden ist"
Doch während die Vorstände schnell je 392.000 Euro kassierten, vergaß man auf den Börsenmakler. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan, er konnte gehen. Dazu kam, dass der Aktienkauf sofort eine behördliche Untersuchung auslöste. Die Telekom distanzierte sich von Wanovits. Erst Monate später erhielt er in drei Tranchen 600.000 Euro der Telekom in bar, übergeben von Schieszler und Josef T. im Auto. Dass die beiden mehrere Zehntausend Euro von dem Geld selbst eingesteckt haben sollen, will Wanovits nicht wissen.

Erst Jahre später erhielt der Börsenmakler den Restbetrag – über Gegengeschäfte mit Telekom-Berater Peter Hochegger. Wanovits abschließend: "Das war abenteuerlich, was da gemacht worden ist." Den Vorwurf der Beihilfe zur Untreue bestreitet Wanovits aber. Sinngemäß meint er: Es war ein ganz normales Geschäft.

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