Wieder Schock um einen jungen IS-Fanatiker: Ein Bursche aus Niederösterreich soll im Netz zu Gewalt an Ungläubigen aufgerufen haben. Ziel war offenbar auch ein Wiener Stadtpolitiker. Der Schüler, der aus einer gut integrierten Familie stammt, wurde nach Hinweisen aus Deutschland inhaftiert.
Am Dienstag sorgte die Polizeimeldung von einer Razzia bei drei IS-Verdächtigen (16, 17 und 19 Jahre alt) für Aufsehen, die im Bezirk Tulln IS-Propagandamaterial geteilt haben sollen. Sie blieben auf freiem Fuß.
Nicht offensiv nach außen kommuniziert wurde ein anderer höchst brisanter Fall, dessen Schauplatz ebenfalls Niederösterreich ist. Wie die „Krone“ erfuhr, wurde Ende Juli ein Bub aus seinem Kinderzimmer heraus verhaftet und im Justizzentrum Korneuburg in U-Haft genommen. Abermals nach einem Hinweis aus Deutschland.
Tatbegehungs- und Tatausführungsgefahr
Es waren aber nicht Messenger-Dienste, die ihn auffliegen ließen, sondern das tägliche Internet-Monitoring in unserem Nachbarland, wo TikTok- und Instagram-Profil des Burschen auffielen. Am 8. August wurde die U-Haft über den 14-jährigen Österreicher mit afghanischen Wurzeln um einen Monat verlängert: wegen Tatbegehungs- und Tatausführungsgefahr.
Es geht auch in diesem Fall um IS-Terror!
Die Staatsanwaltschaft Korneuburg bestätigt, dass der Schüler wegen terroristischer Vereinigung und gefährlicher Drohung in Verbindung mit dem Waffengesetz in der Justizanstalt einsitzt: „Er hat mit mehreren Accounts Nachrichten im Internet geteilt, worin der IS verherrlicht wird. Gefunden wurden Videos von Anschlägen und Flaggen des IS sowie auch Aufrufe zu Gewalt an Andersgläubigen“, erklärt der StA-Sprecher.
Ich gehe seit 38 Jahren zu Gesprächen in Gefängnisse. Aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, wirklich einem Kind gegenüber zu sitzen. Sowohl körperlich als auch geistig.
Rechtsanwalt Christian Werner
Durchgesickert ist aber eine konkrete Drohung. Demnach fanden die Ermittler auf dem Smartphone des Buben ein Bild, auf dem drei Personen mit rot eingeringelten Köpfen zu sehen sind. Einer von ihnen ist ein Wiener Stadtpolitiker. Dazu ist eine Faustfeuerwaffe zu sehen und ein Tötungsaufruf zu lesen. Der 2009 geborene Verdächtige gibt an, dieses Foto nur weitergeleitet zu haben. Den Politiker kenne er nicht einmal.
Smartphoneverbot im Falle einer Enthaftung ...
In Haft fällt der Bursche aus der Reihe: „Ich gehe seit 38 Jahren zu Gesprächen in Gefängnisse. Aber zum ersten Mal habe ich das Gefühl, wirklich einem Kind gegenüber zu sitzen. Sowohl körperlich als auch geistig“, sagt der Jurist, der sich in der nächsten Haftverhandlung für die Enthaftung seines Mandanten einsetzen wird.
Das Warten auf einen möglichen Gerichtsprozess in Freiheit müsste aber mit Auflagen – wie etwa Smartphone- und Internetverbot sowie Bewährungshilfe und Deradikalisierung – verbunden sein.
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