"Ist mir scheißegal"

Bursche quälte Mithäftling: Haft und Einweisung

Österreich
31.01.2013 14:14
Weil er einen körperlich deutlich unterlegenen Mithäftling in der Jugendabteilung des Wiener Landesgerichtlichen Gefangenenhauses über Wochen hinweg gequält hatte, ist ein 20-jähriger Bursche am Donnerstag nicht rechtskräftig zu 16 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Darüber hinaus wurde er in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.

Der 20-Jährige hatte sich den gleichaltrigen, aber mindestens einen Kopf kleineren, um geschätzte 15 Kilo leichteren und äußerlich fast noch kindlich wirkenden Burschen "als schwächstes Glied in der Kette herausgepickt", wie der Staatsanwalt ausführte. Und er quälte den Schwächeren.

Indem er ihm ein Messer an den Hals setzte, zwang er den Burschen, an sich geschlechtliche Handlungen vorzunehmen. Einmal tauchte er dessen Kopf in ein Becken, in das er zuvor uriniert hatte. Mehrfach drückte der Angeklagte ihm solange die Halsschlagader zu, bis er das Bewusstsein verlor - ein im Wiener Jugendgefängnis offenbar gängiger Zeitvertreib, der sich "Pilotenspiel" nennt. Es kam auch zu Misshandlungen mit einem Besenstiel.

"Haben Sie das Gefühl, dass Sie wieder explodieren?"
Vor den Zeugeneinvernahmen kündigte der nicht geständige junge Mann an, er werde "eventuell die Beherrschung verlieren". Tatsächlich machte der 20-Jährige später Anstalten, auf die Zeugen loszugehen, die gegen ihn aussagten.

Der Richter ließ ihn aus diesem Grund zur Abkühlung aus dem Saal bringen, um sich danach zu erkundigen: "Haben Sie das Gefühl, dass Sie wieder explodieren?" "Vielleicht", bellte der 20-Jährige zurück. Man möge daher "die Handschellen oben lassen. Wär' besser". Den Rest der Hauptverhandlung verfolgte der Angeklagte in gefesseltem Zustand, flankiert von zwei Justizwachebeamten.

"Er tickt nicht richtig"
"Er ist körperlich viel stärker. Ich konnte nichts machen", stammelte der Betroffene im Zeugenstand, aus Angst habe er sich daher auch nicht getraut, die Vorfälle zu melden. Ein weiterer, ehemaliger Mithäftling bezeichnete den Angeklagten als "total aggressiv und unberechenbar. Er tickt nicht richtig". Der 20-Jährige sei "öfters ausgezuckt" und habe sich "den Kleinen als Opfer genommen". "Ich hab' das dann dem Beamten gesagt. Es ist so nicht mehr weitergegangen", erklärte der Zeuge.

Zukunftsprognose "extrem negativ"
"Dieser Mensch ist krank", stellte der Psychiater in seinem Gutachten fest. Er könne "medizinisch nur empfehlen, diesen Menschen vor sich selbst zu schützen". Daher sprach er sich im Fall eines Schuldspruchs für eine zeitlich unbefristete Unterbringung des Angeklagten im Maßnahmevollzug aus. Die Zukunftsprognose sei "extrem negativ. Mit ein paar Tabletten und einem halben Jahr Therapie ist es nicht getan", erklärte der Psychiater.

"Was Sie hier sagen, ist mir scheißegal. Ich sag's Ihnen ein letztes Mal, ich hab's nicht gemacht", unterbrach ihn der Angeklagte. Das Urteil nahm er später gefasst zur Kenntnis. Auf die Frage, ob der 20-Jährige es verstanden habe, bemerkte er dann nur erneut: "Ist mir scheißegal."

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