Was war das für eine Schnapsidee! Das ominöse Sprechzimmer 23 im Parlament hatte der ORF im Vorjahr als Ort für seine Sommergespräche ausgewählt – einen holzvertäfelten kargen, finsteren Raum, der an eine Verhörzelle erinnerte, als Möblierung ein kleines Glastischchen, zwei Stühle, die man einst wohl „Clubsessel“ nannte und eine Stehlampe. Mehr nicht. In diesem zeitlosen DDR-Ambiente empfing vor einem Jahr Susanne Schnabl die Parteichefs. Zudem wurden die wie immer am Montag Abend ausgestrahlten Interviews 2023 schon Tage zuvor aufgezeichnet. Ob am frühen Morgen, zu Mittag oder am späten Abend – piepegal in diesem fensterlosen Raum. Heuer – da ist, außer den identischen Parteichefs – alles anders. Die Fragen stellt diesmal Martin Thür. Und er darf das – am Ausstrahlungsabend – im Traumambiente des Traunsees in Oberösterreich tun. Dort ging er zum Auftakt gestern Abend nicht wie einst Peter Rabl in einem legendären Sommergespräch mit dem damaligen FPÖ-Chef 1981 in einem Pool baden. Aber ging er im Interview mit Beate Meinl-Reisinger womöglich sprichwörtlich baden?
Wespen statt Affengebrüll. Die Risiken von unerwarteten Störungen sind bei einem (Fast-)Live-Interview im Freien natürlich erheblich größer als im Parlamentskammerl. Legendär das vor wenigen Jahren bei Freiluft-Sommergesprächen von Spaßvögeln künstlich erzeugte Elefantengebrüll in der Nähe. Oder auch die Gelsen, die es auf den damaligen Bundeskanzler Kurz abgesehen hatten. Solche Störungen blieben Martin Thür und Beate Meinl-Reisinger gestern auch nicht erspart. Diesmal waren es Wespen (Meinl-Reisinger: „Wenn Sie mich wacheln sehen, es sind die Wespen“). Ab und zu kratzte sich die Neos-Parteichefin auch am Oberarm. Wollen wir hoffen, dass dort nicht bereits eine Wespe zugestochen hatte. Ansonsten verlief der Abend von beiden Seiten professionell und unfallfrei, man ging nicht baden. Ja, über Politik wurde da natürlich gesprochen. Offen bleibt die Frage, ob Meinl-Reisinger im nächsten Jahr bei den Sommergesprächen als Bildungs- oder Finanzministerin auftritt. Hoffentlich dann wieder an einem so schönen österreichischen Platz wie dem Traunsee.
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