In den Weingärten nahe dem Neusiedler See herrscht bereits Hochbetrieb. Viele Helfer sind im Einsatz gegen Vogelfraß. Winzer Willi Opitz schafft sich mit einer durchaus kreativen Lösung Abhilfe – und dabei entstehen als Bonus viele neue Bekanntschaften.
Burgenlands Winzer haben alle Hände voll zu tun. Viel früher als sonst wird bei den ersten Sorten mit dem Start der Ernte gerechnet. Im Seewinkel ist der Auftakt der Lese üblicherweise Ende August oder Anfang September. Heuer dürfte es punkto Jungwein schon in zwei Wochen losgehen. Das Wetter habe gut mitgespielt und voll gepasst, so der Tenor in den Betrieben.
Vorfreude auf Ernte
Kräftige Sonnenstrahlen in Hülle und Fülle haben den wertvollen Grundstein für erlesene Tropfen gelegt. „Wir dürfen uns auf einen qualitativ besonders hochwertigen Ertrag freuen“, lautet die vielversprechende Prognose: „Aufgrund der Feuchtigkeit hatten aber womöglich manche Weingartenbesitzer mit Pilzbefall zu kämpfen.“
Trauben als Fressen für Stare
Dunkelrot sind die Trauben auf Rebstöcken von Willi Opitz in Illmitz: „Die Beeren unseres Zweigelt auf Sandboden sind fast schon schwarz eingefärbt.“ Ein gefundenes Fressen für gefiederte Räuber! Seit Tagen hat der Star-Winzer wie viele seiner Kollegen mit lästigen Staren schwer zu kämpfen.
Die gefräßigen Vögel haben mich dieses Jahr regelrecht überrascht. Als der Schwarm eingefallen ist, wurden innerhalb weniger Stunden 20 Prozent der Sorte Zweigelt in meinem Weingarten nahe der Biologischen Station beim Schilfgürtel zunichte gemacht.
Willi Opitz
Weinliebhaber helfen
Der erfahrene Winzer hat jedoch rasch ein probates Gegenmittel parat. In Windeseile beruft er „Networking Days“ ein. Dem Ruf folgen viele Weinliebhaber aus halb Europa und helfen voller Enthusiasmus mit, Netze über die Rebstöcke zu spannen und die Trauben vor ungezügeltem Vogelfraß abzuschirmen.
„Mitten in der Natur im Nationalpark Neusiedlersee müssen unsere Gäste freilich nicht in der Hitze schuften. Wichtige Handgriffe werden erledigt, dann darf jeder unseren Wein, der soeben geschützt wurde, in aller Ruhe genießen“, sagt Opitz mit einem freundlichen Lächeln. Erst gestern waren 40 Helfer aus Großbritannien vor Ort, die im Anschluss an eine Weinreise mit einem Kreuzfahrtschiff ans Schwarze Meer einen Abstecher an den Neusiedler See gemacht haben.
Viele neue Erfahrungen
Zuvor hatte der burgenländische Winzer bereits Unterstützung aus Oberösterreich, Deutschland und Finnland: „Wenn ich zu den ,Networking Days’ einlade, spricht sich das im Internet schnell herum. Jeder meiner Kontakte hat hunderte Followers.“ Der Einsatz ist nicht nur reich an neuen Bekanntschaften, sondern auch an Erkenntnissen, weiß Opitz: „Es ist immer wieder schön zu erleben, wie überrascht die Menschen sind, wenn sie merken, wie viel Arbeit, Zeit und Risiko in einer Flasche Wein steckt.“
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