Vor- und Heimgärten

Historische Spuren: Wie Graz „grüne Oasen“ erhielt

Steiermark
10.07.2024 11:00

Wie viel Grünraum braucht es in Graz? Seit Jahrzehnten beschäftigt diese Frage die Stadt. Doch seit wann gibt es in der Stadt eigentlich Heimgärten, Innenhöfe, Parks und Vorgärten? Und wie wurden diese im Laufe der Geschichte genutzt? Die „Krone“ hat im GrazMuseum nachgefragt, wo aktuell eine Schau zum Thema gezeigt wird.

Der österreichische Museumspreis 2024 geht an das GrazMuseum. Am Dienstag verkündete Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer per Aussendung, dass der wichtigste heimische Museumspreis seit seiner Gründung im Jahr 2000 zum zweiten Mal in die Steiermark geht – 2005 hatte sich das Museum des Stifts Admont den Preis geholt. Gewürdigt wurde vor allem die Öffnung des Hauses und wie dort „Kunst- und Stadtgeschichte in einen lebendigen Dialog mit dem Publikum treten“.

Aktuelle Ausstellung zu Innenhöfen und Gärten
Jüngstes Beispiel dieser Arbeit ist eine große Ausstellung über die Entdeckung des Grünraums in Graz:  „Alles begann mit der Industrialisierung“, sagt Catalin Betz, Kuratorin der Ausstellung „In Grazer Gärten und Innenhöfen“ im GrazMuseum. „Zwischen 1850 und 1900 hat sich die Grazer Bevölkerung verdreifacht, die Stadt wuchs über die einstigen Stadtmauern hinaus – etwa in Richtung Geidorf, St. Leonhard und Jakomini.“

Wo einst noch Wiesen und Felder waren, entstanden plötzlich Villenviertel und Wohnblocks. „Durch die vielen neuen Industriebetriebe wurde die Stadt auch schmutziger. Daher stieg auch das Bedürfnis, kleine oder größere grüne Oasen in der Stadt zu schaffen.“

Die Stadt wächst – und die Leute wollen Grünraum
Anfänglich stand dabei aber gar nicht so sehr der Wohlfühlfaktor im Mittelpunkt: „Es ging vor allem auch darum, Platz für Nutzgärten zu haben. Die oft armen Menschen, die wegen der Jobmöglichkeiten aus den ländlichen Regionen nach Graz kamen, wollten sich selbst versorgen – etwa mit Obst und Gemüse.“  Bewusst wurden daher die neuen Wohnblöcke so gebaut, dass große Innenhöfe entstanden, die Platz dafür boten. 

Aufstellen des ersten Maibaumes im Heimgartenverein Steinfeld 1975 (Bild: Heimgartenverein Steinfeld)
Aufstellen des ersten Maibaumes im Heimgartenverein Steinfeld 1975

Die Lebensmittelknappheit, die es zu der Zeit immer wieder gab, war auch ausschlaggebend dafür, dass im Jahr 1907 der erste Heimgarten in Graz gegründet wurde – innerhalb weniger Jahre folgten viele weitere. „Jeder hatte dort seine eigene kleine Parzelle, wo er anbauen konnte, was er wollte“, weiß Betz. „Aber es ging auch um ein gemeinschaftliches Erlebnis: Man teilte sich Werkzeuge, es gab große Feste, man machte gemeinsam Ausflüge.“

Aus Nutzflächen werden Wohlfühloasen
Bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg stand bei den Heimgärten (die übrigens nur in Graz so heißen – vermutlich benannt nach Peter Roseggers gleichnamiger Zeitschrift) der Anbau von Obst und Gemüse im Mittelpunkt: „Erst ab den 1950ern wurden daraus zunehmend Wohlfühloasen, bei denen nicht mehr die Lebensmittelversorgung im Mittelpunkt stand.“

Catalin Betz bei einer Führung durch die Schau im GrazMuseum. (Bild: Sebastian Reiser)
Catalin Betz bei einer Führung durch die Schau im GrazMuseum.

Von den Bürgern der Gründerzeit wurde der Grünraum schon viel früher als repräsentative Fläche entdeckt: 1863 wurde mit der Beethovenstraße eine der ersten Grazer Straßen mit eingefriedeten Vorgärten fertiggestellt. „Diese erfüllten keinen landwirtschaftlichen Nutzen, sondern sollten mit ihren kunstvollen Zäunen und Zierpflanzen vor allem den ästhetischen Gestaltungswillen der Besitzer zeigen“, sagt Betz. Für zeitgenössische Kommentatoren zählten die Vorgärten „zu den schönsten Zierden der Stadt“. 

Heute erfüllen die kleinen grünen Oasen – ob Vorgärten, Innenhöfe oder Heimgärten – oft noch einen weiteren Zweck: „Man denkt nicht immer daran, aber es gibt auch viele Tiere, die in der Stadt leben oder diese durchqueren – und diese brauchen solche Flecken im Stadtraum“, sagt Betz. Zudem helfe jeder Baum und jede Grünfläche auch dabei, die Stadt im Sommer zu kühlen – vor allem in Zeiten der Klimaerwärmung. Und: „Grünräume sind einfach auch schön anzusehen. Sie sind grüner Balsam für die Seele.“

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