Mi, 19. September 2018

Verkehrsinfarkt

01.11.2012 16:38

Lotterie & Taferl-Bingo: China kämpft gegen das Chaos

Für China ist die Automobilindustrie ein Wachstumsmotor. Gleichzeitig verstopfen ihre Produkte aber immer stärker die Innenstädte, sie ersticken in der Blechlawine. Ein klassischer Zielkonflikt: Wie will man das Stau-Problem lösen, ohne den Pkw-Markt abzuwürgen?

Verkehrsregulierung läuft in China in der Regel über die Regulierung der Neuzulassungen. Peking etwa setzt auf ein Lotterieverfahren, bei dem Bürger das Recht auf eine Fahrzeug-Neuzulassung zugelost bekommen. Die Zahl der neuen Kennzeichen ist auf 20.000 pro Monat limitiert – die Zahl der Bewerber liegt 50-mal höher. Ein ähnliches System gibt es in Guangzhou. In beiden Fällen leiden nicht nur die Einwohner, sondern auch die heimische Autoindustrie, der ein großer Teil ihres Marktpotenzials wegbricht.

Einige Städte gehen daher einen sanften Weg. Schon länger praktiziert wird das zeitliche Aufsplittern des Rechts auf Straßennutzung. Dabei ist meist das Kennzeichen entscheidend: An gerade Tagen etwa dürften nur Autos mit geraden Kennzeichen-Nummern fahren, an ungeraden Tagen die anderen. Im Alltag ist das allerdings relativ unpraktisch. Wohlhabendere Chinesen könnten die Regelung zudem durch den Kauf eines zweiten Autos umgehen. Ein Fahrzeug steht dann allerdings immer im Weg und nimmt unnötig Platz weg.

Die südchinesische Stadt Shenzhen will daher als erste Metropole einen dritten Weg gehen: Mit Hilfe von stark erhöhten Parkgebühren sollen Autofahrer zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel bewegt werden. In der Innenstadt etwa sollen die Kosten um rund 30 Prozent auf umgerechnet rund 2,50 Euro pro Stunde steigen. Und das in einem Land, in dem das durchschnittliche Einkommen der Stadtbevölkerung bei rund 2.700 Euro (21600 Yuan RMB) pro Jahr liegt.

Ob Shenzhen wirklich mit Parkgebühren in den Kampf gegen den Verkehrsinfarkt zieht, ist laut dem Online-Magazin Gasgoo noch ungewiss. Zunächst einmal sollen die Einwohner nach ihrer Meinung gefragt werden. Dass etwas passieren muss in der Millionenstadt, ist aber klar. In Shenzhen sind rund 2,5 Millionen Autos gemeldet, 352 Fahrzeuge pro Kilometer Straße.

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