Der Grazer Kunstverein zeigt Arbeiten des New Yorker Outsider-Künstlers Curtis Cuffie – und entführt in eine Welt voller Humor und Zuversicht in Zeiten, in denen beides Mangelware war.
Zum allerersten Mal ist das Werk des 2002 im Alter von nur 47 Jahren verstorbenen New Yorker Künstlers Curtis Cuffie in Europa zu sehen. Darauf ist der künstlerische Leiter des Grazer Kunstvereins, Tom Engels, zurecht stolz. Denn der schwarze Outsider ist in den USA eine anerkannte Kunstgröße, hierzulande harrt er jedoch noch seiner Entdeckung. Und die ist es allemal wert.
Curtis Cuffies Lebensweg entsprach nicht der Norm. Schon früh, durch den Tod der Mutter aus der Bahn geworfen, landete er auf der Straße. In einem Viertel von New York, das in den 1980er- und 1990er-Jahren durch Gewalt und Rassismus geprägt war. Er war eine auffallende Erscheinung, kleidete sich in seinem ganz persönlichen Stil, sang viel zu laut und schuf aus dem Abfall einer desillusionierten Gesellschaft auf den Straßen spontane Kunstwerke.
Streetart der besonderen Art
Diesen fröhlichen, bunten Skulpturen, die durchaus auch als Gegenstimme zur restriktiven Stadtpolitik eines Rudy Giuliani zu verstehen sind, war oft keine lange Lebensdauer gegönnt. Cuffie selbst veränderte sie oft im Vorbeigehen. Von der Polizei wurden sie weggeräumt, von der Müllabfuhr entsorgt, so blieb oft nur die Erinnerung der Passanten. Bis die Kellnerin Katy Abel, die später Cuffies Freundin wurde, anfing, diese Kunstwerke fotografisch festzuhalten. Auch der Fotograf Tom Warren wurde auf diese Weise zum Bewahrer der Arbeiten.
Darüber hinaus entwickelten auch die Müllmänner, selbst meist Schwarze, einen Bezug zur Kunst Cuffies und räumten sie immer weniger beiseite. Und natürlich wurde nach und nach die damals sehr lebendige Kunstszene in New York auf den Outsider aufmerksam. Gegen Ende seines Lebens erfuhr Curtis Cuffie Anerkennung und wurde neben klingenden Namen wie etwa Vito Acconci ausgestellt.
Im Grazer Kunstverein hat sich Tom Engels eine ganz besondere Methode der Präsentation einfallen lassen. Mit zahlreichen Diaprojektoren projiziert er gut 700 Fotos von Katy Abel, Tom Warren, aber auch solche von Cuffie selbst, die mehr seinen spontanen abstrakten Arbeiten als Abbildungen derselben gleichen, an die Wände. So entsteht nicht nur eine rasche Bilderfolge, sondern es weht auch ein Hauch von Vergänglichkeit durch die Ausstellung. Zu sehen ist sie bis 1. Juni.
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