Unterwegs "daddeln"

Mobile Spiele im Mittelpunkt: Start für die Gamescom

Spiele
16.08.2012 10:24
Mit einem Ausstellerrekord hat am Donnerstag in Köln die Gamescom ihre Pforten für das breite Publikum geöffnet. Mehr als 600 Hersteller zeigen auf der weltweit größten Computer- und Videospielmesse noch bis zum Sonntag ihre Neuheiten. krone.at ist vor Ort und wird ab Freitag ausführlich über die – angespielten – Highlights berichten. Zudem gibt es Interviews mit den Entwicklern von "Tomb Raider" und der kommenden "StarCraft II"-Fortsetzung "Heart of the Swarm".

Nach der E3 Anfang Juni in Los Angeles richten sich die Augen der Gamer seit Donnerstag nach Köln. Aufgrund der zeitlichen Nähe zur US-Messe sind dem Spektakel in Deutschland heuer allerdings gleich mehrere prominente Vertreter ferngeblieben, allen voran Microsoft und Nintendo. Nur Sony scheute als einziger der drei Konsolenhersteller den Weg ins Rheinland nicht - die ganz großen Überraschungen haben aber auch die Japaner nicht im Gepäck.

Mobile Gaming bei Sony im Mittelpunkt
Auf seiner Pressekonferenz am Dienstagabend präsentierte der Konzern nicht wie erwartet eine neue und besonders dünne Ausgabe seiner PlayStation 3, sondern setzte den Schwerpunkt vor allem auf seine tragbare PS Vita und das mobile Gaming allgemein. So sollen ab Herbst etwa über den Dienst PlayStation Mobile - im vergangenen Jahr noch unter dem Namen PlayStation Suite angekündigt - "Spiele-Häppchen" für Smartphones und Tablets auf Android-Basis angeboten werden, wie Sony-Manager Jim Ryan verriet.

Die zumeist für die erste Generation der PlayStation entwickelten Titel sollen auf dafür zertifizierten Geräten verfügbar sein. Als neue Hardware-Partner nannte Ryan Asus und den kalifornischen Spiele-Tablet-Hersteller Wikipad. Bisher hatte neben Sony nur HTC Geräte mit PlayStation Mobile angekündigt. Zum Start des neuen Dienstes, der sich derzeit noch in einem offenen Test befindet, sollen 30 Titel verfügbar sein. Über eine Zusammenarbeit rede Sony derzeit mit weiteren Herstellern, sagte Uwe Bassendowski, Chef des deutschen PlayStation-Geschäfts, der Deutschen Presse-Agentur.

PS Vita wird zum Tablet-Controller für die PS3
Für die seit Jahresanfang erhältliche PS Vita soll es ebenfalls Spielenachschub geben, darunter etwa ein neues Game der "Little Big Planet"-Macher namens "Tearaway" oder einen weiteren Ableger der "Killzone"-Serie mit dem Untertitel "Mercenary" (mehr zu den Neuheiten im PlayStation-Blog). Besonders angepriesen wurde aber eine neue Funktion namens Cross-Controller, die ab Herbst über eine downloadbare App aktiviert werden können soll. Mit ihrer Hilfe soll sich die PS Vita – ähnlich Nintendos neuem Tablet-Controller für die Wii U – dann in ein Eingabegerät samt Touchscreen-Display für die PlayStation 3 verwandeln.

Die in die Jahre gekommene PS3 will Sony mit hochwertigen Eigenentwicklungen und einer Linie von billigen Klassikern stützen. Die Japaner stellten fünf neue Games vor, etwa das Teenie-Horrorspiel "Until Dawn" oder die künstlerische Story "Rain". In der "Essentials"-Reihe verkauft das Unternehmen erfolgreiche ältere Titel für 20 Euro, etwa das 2008 veröffentlichte Jump'n'Run-Spiel "Little Big Planet". Auf Kinder und Familien zielt das bereits vorgestellte "Wonderbook" ab - ein Zusatzgerät für die PS3, das Bücher mit Animationen und Filmen auf dem Bildschirm zum Leben erwecken soll. In Köln zeigte Sony mehrere neue Titel dafür.

PS3 auf "Höhe der Zeit"
Ziel dieser Schritte sei, neuen Kundengruppen zu erschließen, sagte Bassendowski: "Jeder neue Preispunkt bei Hardware und Software eröffnet uns neue Verbraucherschichten." Dass die 2006 herausgebrachte Konsole veraltet sei, wies Bassendowski zurück. Technisch sei das Gerät noch auf der "Höhe der Zeit": "Sie bietet alle Features, die ein Gamer haben will." Branchenbeobachter erwarten, dass Sony im kommenden Jahr einen Nachfolger präsentieren wird.

Branche im Umbruch
Nicht nur Sony richtet besonderes Augenmerk auf die mobilen Geräte: Die Messe widmet ihnen erstmals einen eigenen Bereich. Mehr Platz bekommen auch die Online-Spiele, die seit einigen Jahren massiv Zulauf haben und qualitativ teils an Konsolenspiele heranreichen. "Die Branche ist massiv im Umbruch. Immer mehr Menschen spielen auf Smartphones und Tablet-Computern. Oder im Internet, ob im Browser oder bei Facebook", sagte Frank Sliwka, Europachef der Games Developers Conference, die im Vorfeld der Messe stattfand.

Die wirtschaftlichen Aussichten der Branche sind derzeit allerdings durchwachsen. Der IT-Branchenverband Bitkom rechnet damit, dass der Umsatz in diesem Jahr auf 2,5 Milliarden Euro sinkt, ein Minus von 100 Millionen Euro. Das hat zum einen mit dem Alter der aktuellen Konsolengeneration zu tun, zum anderen sieht der Verband in seiner Prognose die Softwarepreise unter Druck, vor allem weil günstige Apps für mobile Geräte und kostenlose Online-Spiele boomen.

Activision sieht angestammtes Geschäft nicht in Gefahr
Activision-Chef Eric Hirshberg sieht sein angestammtes Geschäftsmodell trotz dieses Booms aber nicht in Gefahr: "Die gute Nachricht ist: Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Nachfrage nach hochqualitativer interaktiver Unterhaltung nachlässt - im Gegenteil." Das gelte sowohl für die traditionellen Kanäle wie Spielkonsolen als auch für neue Bereiche wie Smartphones. Wichtig sei, starke Marken zu entwickeln - nur so ließen sich Zusatzprodukte wie Spielerweiterungen und Zubehör verkaufen, betonte Hirshberg.

Der US-Anbieter erzielt einen großen Teil seines Umsatzes mit dem Verkauf von teuer entwickelten Titeln wie dem Ego-Shooter "Call of Duty" oder dem Kinderspiel "Skylanders", die im Handel 60 Euro und mehr kosten. Seit einigen Monaten setzt Activision verstärkt auch auf mobile Spiele. "Wir erhöhen unsere Investitionen, weil wir einen robusten Markt und eine unglaublich große Basis an Smartphones und Tablet-Computern sehen."

Zum einen will das Unternehmen die Spieler bekannter Titel stärker an sich binden, etwa mit einer Smartphone-App für den kostenpflichten Online-Dienst "Call of Duty Elite". Zum anderen vermarktet es eigenständige Spiele, etwa eine Neuauflage des Klassikers "Pitfall", die seit kurzem für mobile Apple-Geräte verkauft wird.

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