„Krone“-Kolumne

Tod der Hoffnung

Kolumnen
20.02.2024 06:30

Vor Gericht zitierte Alexej Nawalnij einmal aus „Harry Potter“: „Es ist wichtig, sich nicht alleine zu fühlen. Denn wenn ich Voldemort wäre, würde ich wirklich wollen, dass du dich alleine fühlst.“ Und fügte hinzu: „Unser Voldemort will das auch.“ Der dunkle Lord ist in Russland längst zum Synonym für Putin und seine Schreckensherrschaft geworden.

Harry Potter hat in Russland ohnehin eine ganz andere Bedeutung als in unserer freien Welt. Dieses anfänglich so kindlich magische Reich, in das sich von Band zu Band immer mehr die dunklen Mächte hineindrängen. In dem viele die Augen vor der drohenden Gefahr verschließen - und sich eine Angstherrschaft mit Unterdrückung, Verfolgung, Zensur, Rassismus und Manipulation ausbreiten kann. In Russland weiß man, wie sich das anfühlt . . . Und viele hoffen auf das Happy End der guten Mächte gegen das Böse.

Nach dem Giftanschlag wurde Nawalnij für viele wie Harry Potter „der Junge, der überlebte“, derjenige, der Putin mit scheinbar unzerstörbarem Überlebenswillen trotzen konnte. Ein Symbol der Hoffnung! Der Kreml wolle ein Gefühl von Angst und Einsamkeit verbreiten, meinte Nawalnij damals vor Gericht. Mit seiner mutigen und selbstlosen Rückkehr gab er vielen das Gefühl, nicht allein zu sein.

Dass der dunkle Lord nun doch gewonnen hat, macht Nawalnijs Tod so erschütternd. Mit ihm stirbt dieser Funken Hoffnung. Und ohne Hoffnung kann das Böse triumphieren.

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