Die Landwirtin Agnes Gerl versorgt in Wals 40 Rinder und Kleinvieh. Als Seminarbäuerin hat sie sich neben der Arbeit in der Landwirtschaft auch die Bildung auf die Fahne geschrieben.
Sie ist mit Leib und Seele Bäuerin, Mutter und seit 2017 auch quasi Lehrerin: Agnes Gerl (45). Die Walserin gibt ihr Wissen über Ernährung, Lebensmittel und die richtige Zubereitung als Seminarbäuerin an Schulklassen, Eltern und Firmen weiter. Sie will damit das Bewusstsein für regionale, gesunde und saisonale Küche schärfen. „Ich verstehe mich als Botschafterin“, sagt Gerl.
Agnes Gerl will vermitteln, „dass Kochen und Backen einfach ist, wenn man die Grundregeln kennt. Dann geht auch nichts schief.“ Wer das Essen aus regionalen Zutaten selbst zubereite, wisse auch, was drin ist. Sie ist eine von 29 Salzburger Seminarbäuerinnen, die es sich zur ihrer Aufgabe gemacht haben, zu zeigen, wie das geschmackvoll und kreativ verarbeitet werden kann, das Saison hat. „Ich muss im Winter keine Erdbeeren in der Küche verwenden“, meint die 45-Jährige. „Gemeinsam schauen wir, was man aus Wurzelgemüse zaubern kann, das gerade wächst.“ Auch sie selbst musste sich einiges davon erst aneignen.
Im Alltag hat sie wieder mehr mit Menschen zu tun
Damit sie ihr Wissen in Kursen weitergeben kann, hat Gerl einen Lehrgang am Ländlichen Fortbildungsinstitut gemacht, das zur Landwirtschaftskammer gehört. Nach dem Schreiben einer Seminararbeit darf sie nun Kurse zum Joghurtmachen oder Brotbacken anbieten. Außerdem zeigt sie Schulklassen in ihrer Seminarküche auf dem Dödererhof, wie die Herbsternte vom Feld verarbeitet wird.
Die Kindergartenpädagogin heiratete in die Bauernschaft ein. Mit der Geburt ihrer drei Kinder befasste sie sich mehr mit der Frage, woher das Essen ihrer Familie kommt. Gemeinsam mit Ehemann Kaspar stellte sie 2010 den Hof von reiner Gemüse- und Milchproduktion auf die Direktvermarktung für Fleisch um. Der Seminarbetrieb ist für die 45-Jährige ein zusätzliches Standbein, durch die Gerls Arbeit vielfältiger geworden ist.
„Durch die Ausbildung zur Seminarbäuerin habe ich mehr mit Menschen zu tun“, sagt Gerl. Tradition spielte nicht nur beim Bau der großen Seminarküche eine Rolle, die um einen 100 Jahre alten Ofen geplant wurde. Auch ihre Arbeit ist traditionell: „Wir passen alte Rezepte an und holen sie mit neuen Zutaten in die Gegenwart.“ Das Wissen soll nicht verloren gehen.
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