Nach vier Jahren Vorbereitung wurde im vergangenen Sommer das Car-Sharing-System „Ferni“ in Reutte aus der Taufe gehoben. Urprünglich als Revolution für die Mobilität der Außerferner ausgerufen, musste man in der Pilotphase allerdings einsehen, dass der Ausdruck Evolution eher passen würde.
Im Außerfern wurde im letzten Jahr die „Mobilitätsrevolution“ ausgerufen: Im Juli vergangenen Jahres wurde „Ferni“ mit großer Medienpräsenz der Öffentlichkeit vorgestellt. Als gemeinsames Kind der Gemeinden Reutte, Lechaschau, Pflach und Bach unter der Patronanz des Autohauses Schweiger war die Erwartungshaltung an die neue E-Carsharing-Plattform immens. Die Bürger sollten durch das temporäre Mieten eines der vier zur Verfügung stehenden Elektroautos an verschiedenen Standorten von der E-Mobilität fasziniert werden. „Ferni“ sollte die Notwendigkeit von wenig genutzten Zweit- oder Drittwagen ad absurdum führen und gleichzeitig Gemeindemitarbeiter von A nach B bringen. Mit der „Ferni-App“ soll das gesamte Prozedere des Mietens „sehr einfach“ gesteuert werden.
Wir betrachten das erste Halbjahr als Pilotphase. Unter Berücksichtigung der bescheidenen Marketingmaßnahmen haben die Menschen das Angebot gut angenommen.
Projektleiter Vinzenz Eder
„Für Private sind die Fahrten einfach zu teuer“
Ein halbes Jahr nach dem „Urknall“ entwickelt sich die Revolution eher in Richtung Evolution. „Wir wissen, dass im ländlichen Raum kostendeckendes Carsharing aufgrund der Auslastung nur sehr schwer möglich ist“, erläutert Projektleiter Vinzenz Eder, „wir betrachten das erste Halbjahr als Pilotphase. Unter Berücksichtigung der bescheidenen Marketingmaßnahmen haben die Menschen das Angebot gut angenommen.“
Im Sinne der Zielsetzung wäre wichtig zu wissen, welchen Anteil die Fahrten der Gemeindebediensteten haben und wie viele echte private Mietfahrten sind. Diese Zahlen müssen her.
Simon Larcher, BM aus Bach
Während Reuttes BM Günter Salchner dem durchaus zustimmen kann, wackelt die ungeteilte Begeisterung bei einigen Kollegen. „Der ,Ferni’ ist in erster Linie ein Dienstfahrzeug“, resümiert Lechaschaus Bürgermeisterin Eva Wolf, die keine gute Auslastung sieht, „für Private sind die Fahrten einfach zu teuer.“ Ihr Bürgermeisterkollege aus Bach, Simon Larcher, bläst ins selbe Horn: „Der Preis muss runter, die Bekanntheit rauf, der VW ID.4 in Bach steht die meiste Zeit.“ Er selbst stehe aber trotzdem weiter hinter dieser Idee. Zur Erklärung: Der ID.3 ist für 6,90 Euro pro Stunde zu mieten, der ID.4 für 7.90 Euro. 20 Cent pro gefahrenem Kilometer kommen dazu, die Gemeinden stützen die gemietete Stunde mit 4 Euro.
Bachs Ortschef Larcher: „Die Zahlen müssen her!“
„Im Sinne der Zielsetzung wäre wichtig zu wissen, welchen Anteil die Fahrten der Gemeindebediensteten haben und wie viele echte private Mietfahrten sind“, sagt BM Larcher, „diese Zahlen müssen her.“ Die gibt es laut Eder noch nicht, sollten aber noch im Jänner kommen. Und heuer soll noch viel mehr kommen – dies wurde in der Sitzung im Dezember besprochen. „Es gibt einen klaren Plan“, sagt der Projektleiter, „zuerst brauchen wir ein Marketingbudget.“ Die steigende Bekanntheit sollte Hand in Hand gehen mit der Ausweitung der Kundenkreise.
Man werde sich um eine Partnerschaft mit Firmen, dem Tourismus, öffentlichem Nahverkehr und Vereinen bemühen. Wie Pflachs Dorfchef Karl Köck der „Krone“ bestätigte, heißt es nun für die Gemeinden, zu beraten, ob der künftige Weg mit dem „Ferni“ mitgefahren wird. Jedenfalls ist nun auch die heimische Bevölkerung am Zug. Die könnte durch mehr Interesse den „Ferni“ auf die Erfolgsstraße führen!
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