Konzertkritik

Litauer verzauberten das Vaduzer Publikum

Vorarlberg
09.12.2023 15:55
Porträt von Anna Mika
Von Anna Mika

„Weltklassik Vaduz“: Ein eher frühlingshaftes Programm brachte das Staatliche Sinfonieorchester Litauen mit ins Fürstentum Liechtenstein. Besonders Pianist Lukas Geniušas beeindruckte.

Standing Ovations gab es am Freitagabend im Vaduzer-Saal. Zum einen brachte das Publikum von vornherein Sympathien mit für den Staat im Baltikum, der sich so tapfer mit der so genannten „Singenden Revolution“ von der Sowjetunion lossagte. Zum anderen begeisterte das künstlerische Niveau, das dieses Orchester und der Solist am Klavier, Lukas Geniušas, mitbrachten.

Als nationale Visitenkarte spielte das Orchester unter Gintaras Rinkevicius, der es 1988 gründete und es seither leitet, einen bei uns völlig unbekannten Komponisten: Mikalojus Konstantinas Ciurlionis. Seine „Vier Préludes“ hatten spätromantischen Charakter, erfreuten mit sattem und schwelgendem Klang, aber auch Temperament. Ciurlionis, der 1911 mit nur fünfunddreißig Jahren starb, war auch Maler und besitzt in Litauen Kultstatus.

Nicht viel älter, nämlich neununddreißig Jahre alt, wurde Frédéric Chopin, dessen Klavierkonzert Nr.1 in e-Moll als Nächstes erklang. Das Stück gibt dem Klavier reiche Entfaltungsmöglichkeiten, die der junge litauische Pianist Lukas Geniušas wunderbar entfaltete. Sein Spiel ist gesanglich und rubatofreudig, doch ohne aufgesetztes Pathos. Technische Vollendung ist selbstverständlich bei diesem sympathischen jungen Mann, der bereits in den magischen Kammermusikzentren wie Lockenhaus oder der Londoner Wigmore Hall aufgetreten ist. Mit einem berückend schlicht gespielten Schubert-Walzer sowie mit eiern rasanten Etüde von Chopin bedankte sich Lukas Geniušas für den frenetischen Applaus mit Standing Ovations.

Auch am Ende der „Italienischen Sinfonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy riss es die Leute von den Sitzen. Sie waren begeistert vom strahlenden Gestus des Eröffnungssatzes, vom getragenen zweiten Satz, der, so meint man, inspiriert sein soll durch Prozessionen und Kirchengesänge, die der junge Mendelssohn in Rom erlebt hat. Mitreißend waren auch die beiden folgenden Sätze: ein schwingendes Menuett und ein wirbelnden „Saltarello“, ein süditalienischer Springtanz also.

Die noble Atmosphäre, die durch die Sinfonie Mendelssohns aufgebaut wurde, wurde dann kontrastiert durch die Zugabe, die das Orchester spielte, ein (nicht angesagtes) Stück, das Varietécharakter hatte. Somit zeigte das Staatliche Sinfonieorchester Litauen unter Gintaras Rinkevicius in Vaduz eine große Vielseitigkeit, ließ dabei aber die weihnachtliche Stimmung völlig außen vor. Dafür gab es dann am Ausgang für jeden Besucher ein Säckchen Kekse.

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