Schon fast 80 Jahre alt und Gerhard Weindl tourt noch immer als Nikolaus durchs Land. Mit einem Chauffeur und vielen berührenden Geschichten. Warum er nicht mehr mit Mandarinen und Nüssen kommt und warum ihn die Zettelwirtschaft der Eltern nicht interessiert.
„Das ganze Gewand, der Bart, die Haare hängen mir ins Gesicht. Nein, ich könnte in diesem Aufzug selbst nicht Auto fahren.“ So tourt der Nikolaus in Herzogsdorf am 6. Dezember mit einem Chauffeur durch den Ort.
Der Zeitplan ist straff, immerhin muss der 79-Jährige zig Häuser besuchen. Gemeint ist Gerhard Weindl. Jener Mann, der seit 15 Jahren als Nikolaus unterwegs ist. Nächstes Jahr feiert der rüstige Rentner seinen 80er. „Ich habe zwei Kinder und sechs Enkerl und bin ein glücklicher Mensch. Und nächstes Jahr hab ich mein 40-jähriges Jubiläum beim Roten Kreuz.“
„Mir läuft die Brille an, ich kann eh nix lesen“
Und für genau diese Organisation fährt Weindl als Nikolo aus. „Ich bin heuer für neun Häuser gebucht. Oft bekomme ich von den Eltern zwei vollgeschriebene Seiten, wie schlimm oder brav das Kind ist. Das interessiert mich alles nicht. Wenn ich bei der Kälte reingehe, läuft mir eh die Brille an. Da kann ich sowieso nix lesen. Außerdem werde ich ja nicht zum Abrichten gebucht. Ich gehe auf das Kind ein, frage, wie es im Kindergarten läuft. Oder ob es eh der Mama im Haushalt hilft“, erklärt Weindl.
Und fügt hinzu: „Einige Kinder durchleuchten dich ohnehin. Wenn sie mich am nächsten Tag im Ort sehen und meine Schuhe erkennen, wissen sie: Das war der Gerhard.“
„Ich trage Bart und habe weiße Haare“
Dreimal hat Weindl die Nikolausschule besucht. „Es hat mich einfach interessiert. Es gibt jetzt schon unheimlich viele, die ohne Bart gehen. Aber das ist für mich kein Thema. Ich trage Bart. Und habe weiße Haare. Aber der Nikolaus kommt nicht mehr mit Mandarinen und Nüssen. Vor der Haustür steht ein Sackerl mit unglaublich vielen Geschenken. Die Kinder sind doch total überfordert mit soviel Zeug. Mir kann’s ja egal sein. Aber das ist nicht der Grundgedanke.“
Lustige und berührende Geschichte
Nachdem sich Weindl für die „Krone“ in sein Outfit geworfen hat, erzählt er noch eine lustige sowie eine berührende Geschichte. „Ich kenne einen kleinen Buben. Der hat eine Spielzeugküche und wenn ich komme, macht er mir immer Pizza. Die darf ich dann mit ihm gemeinsam essen.“ Und danach kommen ihm beinah die Tränen. „Im Ort gibt es einen Bauern mit einem Mädchen. Dessen Schwester ist nur kurz nach der Geburt gestorben. Und seitdem geht das Mädl fast jeden Tag zum Grab.“
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