Der 47-Jährige - nach eigenen Angaben war er "Killer" im Jugoslawien-Krieg - wurde mit Fuß- und Handfesseln dem Richter vorgeführt. Obwohl er sich kaum bewegen konnte, saßen vier Justizwachebeamte dicht um ihn herum und ließen den Angeklagten keine Sekunde aus den Augen. Weitere 20 Justizwachebeamte kamen als Zeugen. "Ich bin angerufen worden, dass heute Personalknappheit in der Karlau herrscht", meinte Richter Gernot Patzak zu dem Großaufgebot an Wachpersonal.
"Du wirst gewiss lange Erholung benötigen"
Im Mai hatte der Beschuldigte eine Karte an Spindelegger geschickt: "Herr Außenminister, Du kannst Dich auf Deinen Personenschutz verlassen (sic!), die werden umgelegt werden. Du wirst gewiss lange Erholung benötigen", stand da zu lesen, gefolgt von einer mehr oder weniger versteckten Morddrohung. "Warum haben Sie das geschrieben?", fragte der Richter. "Weil es nicht auszuhalten ist, ich bin unter Folter", so der Befragte, der unbedingt nach Bosnien verlegt werden will, wo seine Mutter lebt.
"Nicht deppert, aber gefährlich"
Mit dem Aushalten haben allerdings auch seine Mithäftlinge ein Problem, die sich schon mehrmals über den rabiaten Serben beschwert haben. "Sie randalieren Nacht für Nacht, reißen Vorhänge herunter, verstopfen alles", hielt ihm der Richter vor. Außerdem soll er Beamte mit Geschirr beworfen haben. Ein Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine schwere, kombinierte Persönlichkeitsstörung. Der Mann sei verantwortungslos und sehr gefährlich. "Ich soll der Depperte sein?", empörte sich der Angeklagte nach den Ausführungen des Psychiaters. "Nicht deppert, aber gefährlich", korrigierte der Richter.
Zu seinen 20 Jahren Haft, die er wegen eines Raubüberfalls und einer Vergewaltigung bekommen hatte, wurden nun vergleichsweise harmlose 18 Monate dazugerechnet, was eine Verwahrung bis zum Jahr 2023 bedeutet. Außerdem wurde eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt.
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