Gezerre ohne Ende

Gläubige wollen gegen Verschenken von Kirche berufen

Österreich
14.11.2011 15:08
Noch ist nicht aller Tage Abend - das hoffen zumindest die Gläubigen der Pfarre Neulerchenfeld in Wien: Sie überlegen nämlich, bei der "Apostolischen Signatur" gegen die Entscheidung der Klerus-Kongregation, dass die Kirche Neulerchenfeld an die serbisch-orthodoxe Gemeinde übergeben werden darf, zu berufen. Bei der "Apostolischen Signatur" handelt es sich "sozusagen um den Obersten Gerichtshof im Vatikan", erläuterte Pfarrmitglied Gerd Grün.

Noch in dieser Woche wollen der Neulerchenfelder Pfarrgemeinderat und die Pfarrangehörigen über die Berufung beraten und prüfen, ob diese Sinn mache. Denn in sehr vielen Punkten könne die Betrachtungsweise der Klerus-Kongregation nicht geteilt werden, erklärte Grün. So gebe es etwa noch immer keine Begründung für die Auflösung der Pfarre Neulerchenfeld. Die Klerus-Kongregation habe das zwar als "Formfehler" kritisiert, aber "allgemeine Betrachtungsweisen" über die katholische Kirche, die Situation der katholischen Kirche sowie anderer christlicher Konfessionen als Erklärung gelten lassen. "Das ist keine Begründung", so Grün.

Dekret: Vorgehen von Schönborn "rechtmäßig"
Vonseiten der Erzdiözese Wien wurde betont, dass es in einem Schreiben der Kongregation heiße, dass das Vorgehen des Wiener Erzbischofs, Kardinal Christoph Schönborn, "rechtmäßig und nachvollziehbar" sei. Im Dekret sei der Einsatz der Pfarrangehörigen als "bewundernswert und beispielhaft" gewürdigt worden. Dennoch, so wird aus dem Schriftstück zitiert, würden die rechtlichen Argumente der Beschwerdeführer nicht greifen.

Schönborn habe mit dem Pfarrmoderator von Neulerchenfeld bereits telefonischen Kontakt aufgenommen, berichtete ein Sprecher der Erzdiözese am Montag. Um die weiteren Schritte zu besprechen, soll in den kommenden Tagen ein Gespräch mit dem Pfarrmoderator und den Vertretern der Pfarrgemeinde stattfinden. Ziel der Erzdiözese sei es weiterhin, die Pfarrgemeinde Neulerchenfeld mit der Nachbargemeinde Maria Namen zusammenzuführen und die Pfarrkirche der serbisch-orthodoxen Gemeinde zu schenken. Die Erzdiözese hofft nun auf eine "gute, gemeinsame Basis". Einen Zeitplan, bis wann die Schenkung endgültig vollzogen sein soll, gebe es seines Wissens nach nicht, so der Sprecher.

Erzdiözese sieht keinen Sinn in Berufung
Die Erzdiözese sei zufrieden mit der Entscheidung der Klerus-Kongregation - vor allem aus dem Grund, weil es "in niemandes Interesse ist, wenn die Sache lange hinausgeschoben wird". Überdies glaubt man bei der Erzdiözese, dass eine Berufung bei der "Apostolischen Signatur" keinen Sinn machen würde. Rechtlich gebe es kaum Chancen auf Durchsetzung, sagte der Sprecher.

Der Konflikt zwischen der Erzdiözese und den Gläubigen der Pfarre Neulerchenfeld schwelt seit Herbst des Vorjahres und schien mit der jüngsten Entscheidung eigentlich beendet. Nun ist offen, ob mit der Entscheidung der Klerus-Kongregation das letzte Wort in der Causa gesprochen worden ist.

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