Massendemos überall

Weltweiter Aufstand gegen die Finanzhaie

Ausland
16.10.2011 14:28
In aller Welt haben am Samstag zahlreiche Menschen gegen die Auswüchse des Finanzsystems demonstriert. In fast 1.000 Städten gingen die Menschen auf die Straße. In Rom - wo es zu schweren Ausschreitungen kam - versammelten sich Zehntausende, in Berlin waren es mehrere Tausend Demonstranten. In New York kam es am Rande der Proteste zu zahlreichen Verhaftungen. Auch in Österreich wurde demonstriert (siehe Infobox).

In New York nahm die Polizei am Samstag mehr als 70 Menschen fest. Die meisten Festnahmen gab es am Abend nahe dem Times Square, als sich eine Gruppe von Demonstranten nach Angaben der Polizei ihrer Aufforderung widersetzte, eine Nebenstraße freizumachen. Die Beamten führten 42 Leute in Handschellen ab. Bereits zuvor hatte es am Times Square vereinzelte Festnahmen gegeben, als Demonstranten die von der Polizei aufgestellten Absperrungen beiseite stießen. Beamte mit Helmen und Schlagstöcken und berittene Polizisten drängten die Menschen zurück. Dabei gab es nach Angaben von Augenzeugen auch Verletzte. Bis auf wenige Ausnahmen verlief die Demonstration auf New Yorks berühmter Vergnügungsmeile mit nach einer vorsichtigen Veranstalterschätzung bis zu 50.000 Teilnehmern aber friedlich.

Die Polizei nahm auch 24 Wall-Street-Demonstranten in Gewahrsam, nachdem diese in eine Filiale der Citibank geströmt waren, um ihre Konten in einer gemeinsamen Aktion aufzulösen. Der Filialleiter forderte die Gruppe nach Angaben von US-Medien auf, die Bank zu verlassen. Die Demonstranten weigerten sich allerdings und wurden in der Geschäftsstelle festgesetzt. In anderen Städten der USA gab es ebenfalls Proteste.

Ausschreitungen und Verletzte in Rom
Bei der Großdemonstration von Kapitalismuskritikern und Gegnern der italienischen Regierung von Silvio Berlusconi in Rom kam es zu Straßenkämpfen und Vandalenakten mit Verletzten. Vermummte Mitglieder anarchistischer Gruppen beschädigten Bankenfilialen, Arbeitsämter, Tankstellen und den Sitz des Steueramts. Zudem wurde ein Anbau des Verteidigungsministeriums in Brand gesetzt. Rund 200.000 Personen beteiligten sich laut den Organisatoren an der Protestkundgebung in Rom. Es handelt sich um den ersten großen Massenprotest seit die Regierung Berlusconi im September ihr Sparpaket zur Schuldeneindämmung verabschiedete.

Der Platz vor der Lateranbasilika glich einem Schlachtfeld: Hunderte Demonstranten bewarfen Beamte mit Steinen und Flaschen. 70 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein und nahm nach eigenen Angaben zwölf Menschen fest. Die Regierung verurteilte die Gewalt.

Friedliche Kundgebungen in Österreich
Protestaktionen in Österreich blieben vergleichsweise überschaubar und liefen friedlich ab (siehe Infobox). In Deutschland gab es am Samstag in zahlreichen Städten Demonstrationen gegen Auswüchse des Kapitalismus und soziale Ungleichheit. In Berlin zogen mehr als 5.000 Protestierende vom Alexanderplatz in Richtung des deutschen Kanzleramtes.

In der Bankenmetropole Frankfurt am Main kamen nach Polizeiangaben ebenfalls rund 5.000 Menschen zu einer Protestkundgebung vor der Europäischen Zentralbank. Auch in Köln, Hannover, Leipzig und München gab es Proteste. Nach Angaben des Anti-Globalisierungsnetzwerks Attac nahmen 40.000 Menschen teil.

Rangeleien in London nach Mini-Marsch auf Börse
In London kam es zu Rangeleien von Demonstranten mit den eingesetzten Polizeikräften, als einige der etwa 800 Teilnehmer der dortigen Kundgebung sich in Richtung der abgesperrten Börse bewegten. Die Demonstranten skandierten "Die Straßen gehören uns!" und "Wir sind die 99 Prozent" - als Ausdruck dafür, dass ein Prozent der Bevölkerung auf dem Rücken der 99 restlichen Prozent reich geworden sei. Die Aktion "Besetzt die Londoner Börse" ("Occupy London Stock Exchange") wurde von einem Zusammenschluss von Organisationen veranstaltet wie UK Uncut oder OccupyLSX. Vor der St. Paul's Cathedral sagte der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, das Londoner Bankensystem sei "Empfänger von korruptem Geld".

Auch vor der EU-Kommission in Brüssel wurde protestiert. Rund 6.000 Menschen marschierten durch die Innenstadt der belgischen Hauptstadt. Darunter waren auch Aktivisten der spanischen Bewegung der "Indignados" ("Empörten"), die zu Fuß von Madrid nach Brüssel gekommen waren.

Einsame Demonstrantin in Alaska
Sogar in der entlegenen Tundra von Alaska, nahe dem kleinen Ort Bethel im Westen des Landes, macht eine einsame Demonstrantin mit ihrer Aktion Schlagzeilen. Die Professorin Diane McEachern hatte sich mit ihren drei Hunden und einem Poster mit der Aufschrift "Besetzt die Tundra" in der menschenleeren, frostigen Steppe fotografieren lassen und das Bild auf die Facebook-Seite der Bewegung "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") gesetzt.

Die Aktion sprach sich weltweit herum. Am Samstag hatten schon mehr als 8.000 Facebook-Benutzer den "Gefällt mir"-Button angeklickt. "Eine einsame Mahnwache im abgeschiedenen Alaska", kommentiert McEachern ihr Bild. "Finde deinen Platz. Besetze ihn. Auch wenn es nur dein eigenes Bewusstsein ist. Macht weiter...".

Sie habe die wachsenden Proteste an der New Yorker Wall Street verfolgt und sich entschieden, in ihrem eigenen Umfeld etwas zu tun, sagte McEachern der "Los Angeles Times". Die Bewohner von Bethel hätten mit hohen Benzin- und Heizölpreisen und dem Abbau von Sozialleistungen zu kämpfen. Zudem werde in der Nähe der Bau einer der größten Goldminen geplant, die der Umwelt "katastrophalen Schaden" zufügen würde, sagte die Professorin. Hinter der geplanten Pebble Mine steht ein internationales Firmenkonsortium, darunter der britische Konzern Anglo American. Umweltschützer befürchten, dass Abfall- und Giftstoffe unwiderruflichen Schaden anrichten werden.

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