Schneemangel, Teuerung, Energiekrise - so mancher sieht das Ende des Wintertourismus nahen. Noch ist die Nachfrage groß. In Tirol brachte die Saison 23,2 Millionen Nächtigungen und 3,5 Milliarden Euro an Wertschöpfung. Aber was tun, wenn bald der Schnee ganz ausbleibt? Die Branche sucht nach Alternativen.
Der Schneemangel im heurigen Winter und die Energiekrise haben die Debatten um die Zukunft des Wintertourismus befeuert. Urlaub in Tirol war dennoch gefragt und wurde reichlich gebucht. Die Saisonzahlen belegen das: 23,2 Millionen Nächtigungen im abgelaufenen Winter (ohne Aprilzahlen) bedeuten nach den schwierigen Pandemiejahren ein respektables Ergebnis, das allerdings immer noch um 6,8 Prozent hinter dem Wert aus der Zeit vor der Pandemie liegt.
In der Tourismusbranche herrscht eine positive Stimmung, obwohl die Rahmenbedingungen mit Energiekrise und Inflation nicht gerade einfach sind.
Mario Gerber, Tourismus-Landesrat
Tourismus-LR Mario Gerber (ÖVP) ist dennoch zufrieden. Und – wie eine Umfrage zeigt – auch 90 Prozent der Beherbergungsbetriebe. Einmal mehr betont Gerber, dass heute nicht mehr Menge, sondern Qualität im Fokus steht. Und er verweist auf eine Wertschöpfung von 3,5 Milliarden Euro – „obwohl die Ausgangslage alles andere als einfach war“, erinnert der Landesrat an Themen wie Teuerung und Inflation.
Was tun, wenn in Zukunft der Schnee ausbleibt?
Winterurlaub ist also nach wie vor gefragt. Aber wie lange noch? Diese Frage beschäftigt die Branche intensiv. Die Tirol Werbung (TW) hat ein eigenes Future Lap eingerichtet, um auf Entwicklungen rechtzeitig reagieren zu können. „Wir spielen dabei viele Szenarien durch. Etwa: Was würde es bedeuten, wenn in zehn Jahren Schnee absolute Mangelware ist?“, beschreibt TW-Geschäftsführerin Karin Seiler Fragestellungen an das Zukunftslabor. Einige Antworten gibt es auch schon: Etwa, dass Schnee für den Weihnachtsurlaub nicht das entscheidende Argument ist und Golfplätze auch im März – einem der wichtigsten Wintermonate – gerne besucht werden.
Unser erklärtes Ziel ist es, die Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Je länger Gäste bleiben, umso weniger An- und Abreisen und damit auch weniger Verkehr.
Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung
Gerber und Seiler vertrauen auf die Anpassungsfähigkeit der Branche, auch bei Nachhaltigkeit. Der „Tiroler Weg“ habe den Rahmen vorgegeben. Jetzt gehe es an die Feinabstimmung. Ziel ist es etwa, die Aufenthaltsdauer der Gäste zu steigern - das reduziert Verkehr. Derzeit bleiben Wintergäste im Schnitt 4,5 Tage. Mehr Anreise mit Bahn oder Bus gehört ebenso zu den Bestrebungen. Fünf Prozent der Gäste nutzen aktuell Öffis. Zumindest 20 Prozent sollen es werden. „Dafür braucht es aber entsprechende Angebote“, sieht Seiler in der Infrastruktur noch Ausbaubedarf.
Auch der Einheimische wird mehr umworben
Wer in Zukunft mehr umworben werden soll, ist der Einheimische – als potenzieller Mitarbeiter und als Stimmungsmacher. Dazu will Gerber durch die Bezirke touren und vermitteln, was der Tourismus jedem Tiroler bringt. Die Infrastruktur komme schließlich nicht nur Gästen zugute. Gerbers Mission: „Wir wollen mit dem Tourismus wieder begeistern.“
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