Realistische Mutmacher in Zeiten des Krieges: Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) nannten bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele die Probleme und mögliche Auswege.
Tuschelthema Nummer eins vor der Eröffnung der Salzburger Festspiele am Dienstag: der dem in diesem Jahr hochpolitischen Staatsakt ferngebliebene Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Salzburger Sorgenthema Nummer eins Dienstagfrüh: die von den Identitären angekündigten Demonstrationen. Das war aber dann nur ein Häufchen Leute mit Trillerpfeifen und wirren Sprüchen auf Plakaten.
Van der Bellen: „Unsere Zukunft muss anders aussehen“
Zur Hauptsache, zu den Reden, die bei den Salzburger Festspielen immer eine besondere Rolle spielen: Die Botschaft von Bundespräsident Van der Bellen war angesichts des Krieges in Europa von ernüchternder Klarheit: „Unsere Zukunft wird anders aussehen, als die meisten von uns erhofft haben. Sie wird es nicht nur, sie muss auch anders aussehen. Es gibt kein Zurück in die gute alte Zeit.“
Es gibt kein Zurück in die gute alte Zeit.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen
Van der Bellen skizzierte drei mögliche Szenarien für die nahe Zukunft: „Putin besinnt sich eines Besseren und erkennt, dass er den Krieg beenden, sich Europa wieder annähern sollte.“ Eine eher unwahrscheinliche Fantasie, wie der Bundespräsident gleich sagte.
Die zweite Möglichkeit: Europa gibt nach, stellt die Sanktionen ein, die Oligarchen bekommen wieder ihr Geld, die Europäer wieder Gas. Auch nicht gut. „Wir würden künftig einen noch höheren Preis bezahlen“, so Van der Bellen.
Haslauer: „Wir werden nicht nachgeben“
„Das realistische Szenario ist, dass es so weitergeht und sogar noch schlimmer werden könnte“, sagte der Bundespräsident. Putin werde den Krieg fortführen und die Gaslieferungen weiter drosseln und sie möglicherweise ganz einstellen. Van der Bellen: „Darauf müssen wir uns jetzt vorbereiten.“ Er ist überzeugt, dass Österreich und Europa die Krise meistern werden. Die EU müsse zusammenhalten und dürfe nicht vor Putin einknicken. Andernfalls würde unser Leben von der guten Laune eines Diktators abhängen, warnte der Bundespräsident.
Salzburgs Landeshauptmann Haslauer, der die Festspiele den Kriegsopfern der Ukraine widmete, sagte: „Wir werden nicht nachgeben und nicht aufgeben, für Frieden in Freiheit und Würde einzutreten.“ Man trotze den Verwerfungen der Geschichte. Haslauer: „Bei aller Betroffenheit: Die Kunst darf vor dem Krieg nicht kapitulieren.“
Praktischer ging es Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) an, der nach der Eröffnung gleich wieder nach Wien fuhr, um über Tempolimits und nächtliche Lichtabschaltungen in öffentlichen Gebäuden zu beraten.
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