04.07.2022 23:21 |

Steirer fragen Drexler

Wie stehen Sie zum Impfen, Herr Landeshauptmann?

Streit um die Corona-Impfpflicht, Worthülsen zum Klimaschutz, vergessene Schüler, zu wenige Ärzte, verschlafener Tierschutz und Tatenlosigkeit in der Fußballstadion-Debatte: Acht Steirer stellen ihre Fragen an den neuen Landeshauptmann Christopher Drexler.

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Michael Sacherer, Präsident der Ärztekammer Steiermark: Menschen wehren sich gegen rechtliche Pflichten wie die Impfpflicht. Was können Sie tun, damit die Steirer aus innerer Überzeugung das tun, was ihnen hilft und am Ende des Tages Leben rettet?
Christopher Drexler: Die Impfpflicht hat die Bundesregierung ja quasi erledigt. Die Diskussion rund um dieses Thema war verkorkst. Die Impfpflicht ist sehr spät gekommen und nie scharf gestellt worden. Die Entscheidung, sie wieder aufzuheben, war richtig. Grundsätzlich glaube ich, dass die Politik gemeinsam mit den Ärzten überzeugen muss, dass die Impfung das wichtigste Instrument ist, um die Pandemie zu bewältigen.

Christina Hofmann, Lehrerin in Graz: Die Coronapandemie hat vor allem für junge Menschen gravierende Auswirkungen. Im Schulalltag merkt man diese Belastungen besonders. Herr Landeshauptmann, inwiefern werden Sie sich für Kinder und Jugendliche einsetzen und bildungspolitische Maßnahmen setzen?
Drexler: Ich habe bei meinen eigenen Kindern erlebt, wie belastend die Coronazeit in den Schulen war. Die Pädagogen haben Großartiges geleistet, vor allem aber auch die Schüler. Das waren wahrlich keine einfachen Jahre. Gemeinsam mit dem neuen Bildungslandesrat Werner Amon werde ich jetzt daran gehen, die Nachwirkungen der Pandemie in den Schulen zu bewältigen.

Gottfried Kirchengast Klimaforscher: Die Steiermark ist weiter in Öl- und Gasemissionen, so hoch wie in den 1990er-Jahren, gefangen. Werden Sie statt Worthülsen ein wirksames Klimaschutz-Management einführen, das uns aus der fossilen Gefangenschaft befreit? Wie sieht Ihr Klimaschutz-Management konkret aus?
Drexler: Ich möchte den Klimaschutz wieder in den Fokus der Landespolitik rücken. Durch die Pandemie-Bewältigung ist er ein wenig in den Hintergrund getreten. Konkret trete ich für einen weiteren Ausbau der Windenergie und der Fotovoltaik ein, und wir werden den gesamten Fuhrpark des Landes emissionsfrei stellen.

Franziska Schubert, Pensionistin in Graz: Was werden Sie gegen den Ärztemangel in steirischen Praxen und Spitälern tun?
Drexler: Wir müssen mehr Studienplätze für Ärzte zur Verfügung stellen - dazu sind wir in Verhandlungen mit dem Bund. Vor allem müssen wir darauf achten, dass Ärzte nach Abschluss des Studiums vermehrt in eine Praxis gehen, zum Beispiel als Allgemeinmediziner. Hier sind wir sehr auf die Unterstützung der Sozialversicherung, der Krankenkasse, angewiesen - ich hoffe, dass diese nach ihrer Fusion zur Österreichischen Gesundheitskasse bald wieder in eine wirklich aktive Rolle in der Gesundheitspolitik findet.

Oliver Pokorny, Chefredakteur der „Steirerkrone“:  Sie haben selbstbewusst angekündigt, als neuer Landeshauptmann vieles anders und neu machen zu wollen, Sie haben gar von einer neuen Ära gesprochen. Wie sieht diese neue Ära aus?
Drexler: Ich werde zuallererst den steirischen Weg der Zusammenarbeit mit der SPÖ fortsetzen, hier gibt es also Kontinuität. Ich glaube aber auch, dass wir die Chance des Wechsels an der Spitze der Landesregierung nützen müssen, um mehr Dynamik in die Entwicklungen in der Steiermark zu bringen. Meine Vision lautet: In zehn Jahren nicht nur bei Forschung und Entwicklung Nummer 1 im Wettbewerb der europäischen Regionen zu sein, sondern in einem Dutzend weiterer Kategorien. Zum Beispiel: Musterregion im Klimaschutz sein und diesen mit wirtschaftlicher Dynamik verbinden oder einen sorgsamen Umgang mit der Ressource Boden finden - und das alles als Nummer 1 der europäischen Regionen. Man muss sich ambitionierte Ziele setzen: Erreichen wir dieses Ziel nicht in einem Dutzend an Kategorien, dann fühle ich mich mit zehn Kategorien noch nicht gescheitert - aber mit zwölf außerordentlich erfolgreich.

Ingrid Stracke, Tierschutzverein „Purzel & Vicky“: Gerade die ÖVP ist es, die immer wieder etwa für Vollspaltenböden in der Schweinehaltung eintritt und Verbesserungen im Tierschutz verhindert. Wie werden Sie dem als Landeshauptmann begegnen, wohl wissend, dass die Bevölkerung mehr Tierschutz vor allem in der Landwirtschaft verlangt?
Drexler: Ich glaube, dass die überwiegende Mehrzahl unserer Bauern dem Tierwohl sehr verpflichtet ist. Es hat ja jetzt eine Einigung für ein endgültiges Aus der Vollspaltenböden bis 2039 gegeben. Es braucht hier einen gewissen Übergangszeitraum: Hat ein Bauer zum Beispiel letztes Jahr in einen neuen Stall investiert, kann ich nicht von ihm verlangen, morgen wieder einen neuen Stall zu bauen. Aber ich bin froh, dass man hier einen Weg gefunden hat.

Mario Haas, Sturm-Ikone und „Steirerkrone-Kolumnist“: Wann wird der VIP-Klub im Liebenauer Stadion ausgebaut? Sturm bringt mit Abstand am meisten Menschen ins Stadion, dort entwickelt man sich aber nicht weiter!
Drexler: Das Stadion gehört der Stadt Graz - und die muss entscheiden, ob sie investieren will. Ich habe zu diesem Zweck letztes Jahr eine große Gesprächsrunde mit allen Bürgermeistern von Gemeinden mit Bundesligaklubs und mit den Präsidenten und Verantwortlichen aller steirischen Bundesligaklubs durchgeführt. Auch dort habe ich der Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr die Frage gestellt: ,Wie hätten Sie es denn gerne mit Ihrem Stadion?’ Die Antwort ist bis jetzt: keine Antwort. Außer, dass im Frühjahr angekündigt wurde, im Herbst eine Arbeitsgruppe einsetzen zu wollen. Ich muss den Ball also an die Stadt Graz zurückspielen.

Ein anonymer LKH-Mitarbeiter: In den steirischen Spitälern der KAGes wird von jedem Job-Bewerber verlangt, dass der Corona-Impfschutz bei Antritt der Tätigkeit aufrecht ist. Wie empfinden Sie diese zwanghafte Vorgangsweise, und glauben Sie wirklich, dass damit der große Personalnotstand in den Landesspitälern verbessert wird?
Drexler: Ich habe mich seinerzeit als Gesundheitslandesrat auch für eine Masern-Impfpflicht für Beschäftigte in sensiblen Bereichen der Spitäler ausgesprochen. Wir hatten den Verdachtsfall, dass eine nicht maserngeimpfte Krankenpflegeschülerin auf der Kinderklinik Kinder mit Masern angesteckt haben könnte. Alle Patienten verdienen den größtmöglichen Schutz, daher bekenne ich mich zum verpflichtenden Impfschutz des Gesundheitspersonals.

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