27.06.2022 12:44 |

Bedenkzeit soll fallen

Spanien: Proteste gegen neues Abtreibungsgesetz

Mehr als 100.000 Menschen haben am Sonntag in Madrid gegen eine Reform des Abtreibungsgesetzes demonstriert. Der Gesetzesentwurf sieht unter anderem vor, dass bisher vorgeschriebene Bedenkzeiten wegfallen und Mädchen ab 16 Jahren keine Erlaubnis mehr der Erziehungsberechtigten benötigen, um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu können.

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Zudem will die sozialistische Regierung unter Pedro Sanchez öffentlichen Krankenhäusern vorschreiben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten und entsprechendes Personal dafür haben müssen. Eine der Frauen, die jetzt behandelt wurden, ist jene US-Amerikanerin, der in Malta trotz medizinischer Notwendigkeit ein Schwangerschaftsabbruch verwehrt wurde.

„Menschen vom Nachdenken abhalten“
Unabhängig davon kommt die geplante Liberalisierung nicht bei allen Menschen in Spanien gut an. Mehr als 200 zivile Organisationen, viele davon aus dem kirchlichen Bereich, hatten dazu aufgerufen, am Sonntag an dem Protestmarsch zur Plaza de Colon in Madrid teilzunehmen. Mehr als 100.000 Gegner und Gegnerinnen des neuen Abtreibungsgesetzes kamen schließlich. Die spanische Regierung wolle die Realität verändern und „sagen, dass Töten gut und barmherzig ist, während Fürsorge, Gebete und Hilfe für diejenigen, die Unterstützung brauchen, schlecht sind“, sagte Carmen Fernandez de la Cigona vom Institut für Familienstudien. 

Protest auch gegen Sterbehilfe
Die Abschaffung der verpflichtenden dreitägigen Bedenkzeit vor einem Schwangerschaftsabbruch solle „Menschen vom Nachdenken abhalten“. Seit der Legalisierung 1985 sollen in Spanien 2,5 Millionen Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt worden sein, berichtete eine Gebetskampagnen-Leiterin.

Die Kritik der Demonstranten und Demonstrantinnen richtete sich zudem gegen die jüngst beschlossene Sterbehilfe, die „ungerecht und totalitär“ sei. Die Aufhebung des Höchstgerichts-Urteils „Roe vs. Wade“ in den USA zeige, „dass die Debatte über die Kultur des Lebens noch lange nicht abgeschlossen ist“, sagte der Organisator Jaime Mayor Oreja vom Lebensschutz-Verein „Neos“. 

Der Gesetzesentwurf wurde am 17. Mai verabschiedet und muss noch im Abgeordnetenhaus debattiert und abgestimmt werden. Anschließend kommt der Senat zum Zug. 

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