13.06.2022 10:53 |

„Plasan Wilder“

Hersteller preist Kriegsfahrzeug wie ein SUV an

Es kommt hin und wieder vor, dass Autohersteller ein neues Fahrzeug via OTS bewerben, ein Kanal der Nachrichtenagentur APA, dessen Werbetexte eine riesige Zahl Journalisten in Österreich erreicht. Doch aktuell findet sich dort eine ungewöhnliche Werbeeinschaltung: ein gepanzertes, bewaffnetes, fernsteuerbares Kriegsgerät, das diese Woche auf einer Rüstungsmesse vorgestellt wird.

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Irritierend ist dabei vor allem, dass Plasan, ein israelisches Rüstungsunternehmen und Fahrzeughersteller, hier einen regelrechten Marketingtext veröffentlicht, als würde es sich um ein neues sportliches SUV handeln. Und der Modellname „Wilder“ klingt auch eher nach einem lustigen Geländewagen für den sonntäglichen Jagdausflug.

Die Rede ist von einem „aufregenden neuen Fahrzeug“, von „bahnbrechendem Design“, das ein „Paradigma bricht“. Nur geht es hier nicht um dynamische Optik oder einen tollen cW-Wert, sondern um das „Paradigma, dass Kräfte zwischen Mobilität, Schutz und Feuerkraft wählen mussten“. Mit „Kräften“ sind „Militärpatrouillen und Spezialeinheiten“ gemeint

Der Plasan Wilder ist „leicht und kompakt“ und verspricht „Level 2 Schutz für 4 Personen in einem kompakten Paket mit einem Gewicht von nur 3,7 t und einer vollen Nutzlast von 800 kg“. Der „riesige 370-mm-Federweg“ mit einem „einzigartigen patentierten Federungssystem“ soll wohl jeden Land Rover Defender vor Neid erblassen lassen, ein nicht näher benannter „420-Nm-Motor“ treibt über ein Achtgang-Automatikgetriebe alle vier Räder an.

„Geländegängig wie ein Rennbuggy“
Fast schon romantische Assoziationen weckt die Beschreibung der „zentralen Fahrposition mit Panoramablick“, während „die Mobilität und Geländegängigkeit eines Rennbuggys“ Spaßfahrer anspricht. Doch die Zielgruppe ist eine andere, denn der Wilder bietet „Schutz und ferngesteuerte Feuerkraft, die normalerweise nur bei doppelt so großen Fahrzeugen zu sehen sind“.

Man möchte irgendwie gleich einsteigen in das „komfortable, klimatisierte Monocoque“ und Platz nehmen auf dem „Ladebett“. Oder auch nicht. Denn die Situation, in der ein solches Fahrzeug eingesetzt wird, ist sicher keine angenehme und das Ladebett ist wohl eher eine Ladefläche, denn es „kann eine NATO-Palette mit Ausrüstung und Zubehör für eine lange Mission problemlos aufnehmen“.

„Zur Auswahl stehen Allradlenkung und Fernbedienung des gesamten Fahrzeugs. Die Besatzung kann das Fahrzeug und seine Waffe aus der Ferne zu einem Aussichtspunkt bringen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Mit dieser voll integrierten Drive-by-Wire-Fähigkeit und zugehörigen Kameras und Sensoren ist der Wilder auch für den voll autonomen Betrieb bereit.“

Man kann sich auch aussuchen, ob der Plasan Wilder komplett fertig geliefert wird oder in Kit-Form für die lokale Montage von Fahrzeugherstellern auf der ganzen Welt.

Wer sich ansehen will, was da neuerdings über ganz normale Nachrichtenkanäle als Neufahrzeug angepriesen wird: Der Plasan Wilder steht noch bis 17. Juni auf der Eurosatory in Paris.

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