13.05.2022 10:14 |

Fataler UNO-Befund

Kampf um Österreichs Gletscher ist schon verloren

Der Generalsekretär der Weltmeteorologieorganisation (WMO), Petteri Taalas, hat keine Hoffnung mehr für die österreichischen Gletscher. „Dieses Spiel ist schon verloren“, sagt Taalas in einem Interview. Selbst bei einem beherzten Kampf gegen den Klimawandel werde das Schmelzen von Polareis und Gletschern „noch für Jahrhunderte weitergehen“, und damit auch der Meeresspiegel steigen. Städten wie London droht die Verlegung, den Niederlanden sogar die Evakuierung.

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„Es könnten ein paar gute Leute aus den Niederlanden nach Österreich kommen“, so Taalas zynisch über die möglichen Folgen. Das schon jetzt teilweise unter dem Meeresspiegel liegende dicht besiedelte EU-Land werde ähnlich „verzweifelt“ gegen den steigenden Meeresspiegel kämpfen wie etwa Bangladesch oder Inselstaaten im Pazifik. Doch auch Megastädte seien gefährdet, nicht nur in Asien - etwa die kalifornische Metropole Los Angeles, London oder Kopenhagen. „Es wird größere Anpassungen brauchen, um diese Städte auf weiter im Land liegenden Orten wiederzuerrichten.“

Ende des Jahrhunderts keine Gletscher mehr in Österreich
Die Gletscher werden in Österreich bis zum Ende des Jahrhunderts komplett verschwinden. In der Schweiz werde gerade noch fünf Prozent der aktuellen Gletschermasse vorhanden sein. Ohne Gletscher würden die Flüsse weniger Wasser führen, was sich auf Trinkwasserversorgung und Stromproduktion auswirke. „Die Wasserfrage ist die größte Frage, also ob wir genug Wasser für die Landwirtschaft und die Menschen haben werden“, so Taalas im Interview mit der APA.

Sündteure Lösung: Asche in der Stratosphäre
Stoppen lasse sich diese Entwicklung nur, wenn Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entfernt werde. „Dafür haben wir keine guten technologischen Mittel“, sagte Taalas. Theoretisch machbar wäre eine Abkühlung des Planeten durch Beschattung, indem man Asche in der Stratosphäre ausbringt. „Das wäre möglich. Wir bräuchten dafür rund zehn Milliarden Dollar pro Jahr.“ Eine solche Lösung wäre freilich „sehr riskant“: Auf der ganzen Welt würde es „ein bisschen dunkler“ werden, und man hätte überall sauren Regen.

Mittelmeerraum besonders stark betroffen
Neben den Polregionen betreffe der Klimawandel den Mittelmeerraum am stärksten. Taalas verwies auf die im Vorjahr gemessene Rekordtemperatur von 48,8 Grad in Italien. In Afrika und im Nahen Osten dürfte sich die schon jetzt kritische Situation weiter verschlechtern, wobei verschärfend das starke Bevölkerungswachstum hinzukomme. Versuche der Wetterbeeinflussung seien wirkungslos gewesen. „Die arabischen Staaten haben große Summen in künstliche Regenproduktion investiert, die Ergebnisse waren mager.“ Durch die trockene Luft sei es „praktisch unmöglich, mehr Regen zu produzieren“.

Politik klingt mittlerweile „wie Greenpeace vor zehn Jahren“
Mit Blick auf die politischen Bemühungen zur Eindämmung des Klimawandels zeigte sich Taalas vorsichtig optimistisch. Die Klimakonferenz in Glasgow sei die „zweiterfolgreichste“ nach Paris gewesen, und die Regierungen hätten das Problem mittlerweile tatsächlich erkannt. „Alle Staats- und Regierungschefs haben starke Reden gehalten. Die klangen wie Greenpeace vor zehn Jahren.“ Auch die Unternehmen würden sich bemühen, „Teil der Lösung“ zu sein, und es gebe schnelle technologische Fortschritte. Er hoffe, dass man sich bei der nächsten Klimakonferenz im November in Ägypten auf Schritte verständigen kann, um wieder Kurs auf das 1,5-Grad-Ziel zu nehmen.

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