Anlässlich des Tags der Pflege am 12. Mai fordert die Gesundheitsgewerkschaft Maßnahmen gegen den Personalmangel.
Es sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben: Die personellen und finanziellen Anforderungen an das Pflegesystem werden aufgrund des demografischen Wandels immer größer, parallel dazu laufen in einzelnen Bereichen die Beschäftigten aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen in Scharen davon.
Eine Entspannung ist nicht in Sicht, ganz im Gegenteil, wie Thomas Steurer, Landesvorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft und LKH-Zentralbetriebsrat, betont: „Der Pflege steht eine große Pensionierungswelle bevor – und schon jetzt kann die Versorgung nur mit einer großen Zahl an Überstunden und Einspringerdiensten aufrechterhalten werden!“
Der Pflege steht eine große Pensionierungswelle bevor – und schon jetzt kann die Versorgung nur mit einer großen Zahl an Überstunden und Einspringerdiensten aufrechterhalten werden!
Thomas Steurer, Landesvorsitzender der GÖD-Gesundheitsgewerkschaft
Politik des Stillstands
An der mangelnden Planbarkeit von Erholungsphasen, Freizeit und Familienleben habe sich auch seit dem letzten Aufschrei der Pflegekräfte vor einigen Jahren nichts geändert. Die Auswirkungen dieser Politik des Stillstands seien fatal: „Das Frustlevel bei den Beschäftigten ist bereits am Anschlag. Bei der groß angekündigten Pflegereform hat die Bundesregierung einmal mehr versagt. Deshalb braucht es Maßnahmen, die dazu dienen, die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen zu halten.“
Ein verheerender Teufelskreis
Die personelle Unterbesetzung zieht sich durch alle Bereiche des Pflegesystems: Neben den Spitälern haben auch die Pflegeheime mit großen Personalsorgen zu kämpfen, zudem ist das Unterstützungsangebot durch mobile Dienste für die Pflege in den eigenen vier Wänden mangelhaft. „Weil es auch dort an allen Ecken und Enden an Personal fehlt, müssen Patienten, die eigentlich entlassen werden könnten, länger im Spital betreut werden. Dadurch wird das Personal doppelt und dreifach belastet“, skizziert Steurer einen fatalen Teufelskreis.
Wir stehen aufgrund des Fachkräftemangels in massiver Konkurrenz mit der Privatwirtschaft. Deshalb muss auch überlegt werden, die Ausbildung finanziell abzugelten – so wie bei den Polizeischülern.
Thomas Steurer
Der Arbeitnehmervertreter fordert Sofortmaßnahmen, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen: „Das kann zum einen über höhere Gehälter umgesetzt werden, zum anderen durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen.“ Bezüglich Letzterem schlägt Steurer etwa ein Fortbildungsbudget für die Mitarbeiter, spezielle Modelle für ältere Beschäftigte, mehr Betriebswohnungen sowie den Ausbau von Betriebskindergärten vor. „Wir stehen aufgrund des Fachkräftemangels in massiver Konkurrenz mit der Privatwirtschaft. Deshalb muss auch überlegt werden, die Ausbildung finanziell abzugelten – so wie bei den Polizeischülern.“ Was Steuer am Tag der Pflege indes nicht hören will: leere Worthülsen und die üblichen Lobeshymnen – „das ist fast schon unerträglich!“
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