„Großartiger Denker“

Biochemiker Hans Tuppy mit 99 Jahren verstorben

Österreich
08.05.2024 15:46

Er hat das österreichische Wissenschaftssystem sowohl als international renommierter Biochemiker als auch als Minister geprägt. Nun ist Hans Tuppy im Alter von 99 Jahren gestorben.

Am 22. Juli hätte der gebürtige Wiener seinen 100. Geburtstag gehabt, laut Parte ist er bereits am 24. April verstorben. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) würdigte Tuppy als „großartigen Denker und Visionär“. Für Bundespräsident Alexander Van der Bellen war der Verstorbene ein Biochemiker „von Weltrang, der ungeachtet seiner wissenschaftlichen Erfolge auch als Gestalter seine Spuren hinterließ“. 

Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Er war ein Biochemiker von Weltrang.“ (Bild: AP)
Bundespräsident Alexander Van der Bellen: „Er war ein Biochemiker von Weltrang.“

Tuppy absolvierte eine bemerkenswerte hochschulpolitische Karriere und hat als Forscher international reüssiert. Sein breiter wissenschaftlicher Beitrag reichte von der Aufklärung der Insulin-Struktur bis zur Biochemie der Blutgruppensubstanzen. Tuppy hat als junger Wissenschaftler an nobelpreiswürdigen Entwicklungen mitgewirkt und in der „österreichischen Universitätswüste“ der 1950er-Jahre mit dem Institut für Biochemie der Uni Wien eine „kleine Oase“ geschaffen, wie es der Biochemiker Gottfried Schatz einmal formuliert hat.

Der Ruf der Politik
Das österreichische Wissenschaftssystem hat er als Rektor der Universität Wien, Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und als Minister mitgeprägt. Stufe um Stufe kletterte Tuppy die akademische Karriereleiter hinauf. 1970 bis 1972 war er Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Wien. 1974 wurde er zum Präsidenten des 1967 gegründeten Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) gewählt, eine Funktion, die er bis 1982 innehatte. 

1983 wurde Tuppy für zwei Jahre zum Rektor der Uni Wien gewählt, gleichzeitig stand er der Rektorenkonferenz vor. 1985 folgte die Wahl zum Präsidenten der ÖAW, eine Funktion, die er 1987 frühzeitig aufgab, um dem Ruf der ÖVP auf den Posten des Wissenschaftsministers zu folgen. Zwei Jahre später (1989) musste Tuppy im Zuge einer ÖVP-Regierungsumbildung den Ministersessel für Erhard Busek räumen. 

Hans Tuppy übte in den 80er-Jahren das Amt des Rektors der Universität Wien aus. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Hans Tuppy übte in den 80er-Jahren das Amt des Rektors der Universität Wien aus.

Bis ins hohe Alter aktiver Wissenschaftler
Er zog sich wieder in den universitären Alltag zurück, bis er im Alter von 70 Jahren emeritierte. Doch auch danach bot er weiterhin Vorlesungen und Prüfungen an. Noch im Jahr 2022 leitete Tuppy eine Findungskommission, die die Wahl des neuen ÖAW-Präsidenten vorbereitet hat. 

Für sein Lebenswerk erhielt Tuppy zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter Ehrendoktorate, das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst sowie den Wittgensteinpreis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft. Sein Beitrag zur Biochemie und Molekularbiologie wird auch durch die jährlich stattfindenden „Hans Tuppy-Lectures“ gewürdigt.

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele