07.05.2022 14:53 |

6 Manager gefeuert

Gewerkschaftsgründung: Bei Amazon rollen die Köpfe

Wenige Wochen nach der ersten Gewerkschaftsgründung in einem US-Versandlager des E-Commerce-Giganten Amazon rollen im Management der Niederlassung die Köpfe. Sechs Führungskräfte wurden entlassen. Die Belegschaft sieht darin Amazons Antwort auf die Gewerkschaftsgründung.

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Die Entlassungen seien außerhalb des üblichen Bewertungszyklus erfolgt, berichtet der „Guardian“. Sie seien eine Reaktion auf den „historischen Sieg“ der Arbeitnehmer gegen den zweitgrößten Arbeitgeber des Landes, so die Einschätzung anonymer ehemaliger und aktueller Mitarbeiter in New York. Amazon selbst spricht von „organisatorischen Veränderungen“, nachdem man „Betrieb und Führung“ des Lagers evaluiert habe.

Manager sollten Arbeitnehmervertretung verhindern
Amazon hatte seine Führungskräfte angewiesen, gegen die Wahl einer Gewerkschaftsvertretung vorzugehen. Vor der Wahl wurden verpflichtende Meetings einberufen, in denen die Arbeitnehmer aufgefordert wurden, mit „Nein“ zu stimmen. Es wurden Anti-Gewerkschafts-Werbebroschüren verteilt. Zudem wurde eine Website ins Leben gerufen, auf der die Belegschaft aufgefordert wurde, gegen die Arbeitnehmervertretung zu stimmen.

Amazon gegenüber dem „Guardian“: „Als Unternehmen sind wir nicht der Ansicht, dass Gewerkschaften die beste Lösung für unsere Arbeitnehmer sind. Unser Fokus ist, direkt mit unserem Team zu arbeiten, um Amazon zu einem noch großartigeren Arbeitsplatz zu machen.“ Dazu passend stand auf der Anti-Gewerkschafts-Website: „Derzeit versucht die Gewerkschaft, sich in unsere Beziehung zu Ihnen zu drängen. Sie glauben, sie seien besser darin, sich für Sie einzusetzen, als Sie selbst.“

Gewerkschaftsgründung in anderem Lager gescheitert
In dem Lager in New York scheiterten Amazons Bemühungen: Anfang April wurde mit einer Mehrheit von 2654 zu 2131 Stimmen für die Gründung einer Gewerkschaftsvertretung im Amazon-Lager in Staten Island votiert. In einem anderen Lager in New York waren Amazons Einschüchterungsversuche hingegen von Erfolg gekrönt. Im Sortierzentrum in Staten Island stimmten 62 Prozent der Beschäftigten gegen eine Arbeitnehmervertretung.

Zweitgrößer Arbeitgeber der USA
Amazon ist mit mehr als einer Million Beschäftigten in den USA der zweitgrößte Arbeitgeber und hat bisher verhindert, dass sich Logistikzentren gewerkschaftlich organisieren. Zum einen durch die Zahlung höherer Löhne sowie Boni in Zeiten des Arbeitskräftemangels, aber auch durch öffentliche Kritik an der Arbeit von Gewerkschaften.

Amazon steht in den USA wegen der Arbeitsbedingungen in der Kritik. Gewerkschaften und auch Politiker kritisieren, dass die Beschäftigten des 1994 von Jeff Bezos gegründeten Konzerns einem hohen Arbeitsdruck und einer permanenten Kontrolle ausgesetzt seien. In Deutschland kämpft die Gewerkschaft Verdi seit Jahren dafür, dass die Amazon-Beschäftigten einen Tarifvertrag bekommen und nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden.

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