Ernährung

Was ist eigentlich wirklich Vegan?

Wer rein pflanzlich essen will, hat es beim Einkaufen nicht immer leicht. Grundsätzlich gibt es nämlich weder auf EU-Ebene noch in Österreich oder Deutschland eine rechtlich bindende Definition von „vegan“ oder „vegetarisch“ bei der Auszeichnung von Lebensmitteln.

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„Erster Anhaltspunkt vor dem Supermarktregal ist der genaue Blick auf die Zutatenliste. Siegel können ebenfalls zur Orientierung herangezogen werden, auch wenn sie derzeit nur auf freiwilligen Kennzeichnungssystemen basieren“, betont Dr. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin vom „forum.ernährung heute“. Ein ,rein pflanzliches‘ Lebensmittel muss nicht zwangsläufig vegan sein. Das klingt zunächst unlogisch, doch hier kommt der Herstellungsprozess ins Spiel. Zusatzstoffe und Aromen werden teilweise aus tierischen Produkten gewonnen, es kann zu Kreuzkontaminationen kommen, wenn vegane oder vegetarische Lebensmittel bei der Verarbeitung/Lagerung mit tierischen in Kontakt kommen.

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Erster Anhaltspunkt vor dem Supermarktregal ist der genaue Blick auf die Zutatenliste. Siegel können ebenfalls zur Orientierung herangezogen werden, auch wenn sie derzeit nur auf freiwilligen Kennzeichnungssystemen basieren.

Dr. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin „forum.ernährung heute“

Für Milch und Milcherzeugnisse sieht das EU-Marktordnungsrecht einen Bezeichnungsschutz vor, sodass diese Bezeichnungen für vegane und vegetarische Kost - abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Kokosmilch - nicht verwendet werden dürfen. Die Expertin erläutert, worauf man bei einigen Nahrungsmitteln und Getränken besonders achten sollte.

  • Backwaren:
    Auch bei Backwaren muss man genau hinschauen oder nachfragen. Einerseits kann Bäckerferment, das Honig enthält, verarbeitet sein, andererseits können Milchprodukte enthalten sein. Zudem sind sogenannte Mono- und Diglyzeride ein kritischer Punkt (z. B. in Donuts, Keksen, Dessertcremen). Diese stammen zwar hauptsächlich aus pflanzlichen Quellen, aber auch tierische Fette werden dafür genutzt.
  • Chips:
    Viele Chips sind vegan, andere haben aber Milchpulver oder Aromen auf Milchbasis in der Gewürzmischung, was deklariert ist. Die Gewürzmischungen können jedoch auch Aromen auf Fleischbasis enthalten, die nicht dezidiert angegeben werden müssen - hier sollte man direkt beim Hersteller nachfragen, sofern keine zertifizierte Vegan-Kennzeichnung vorhanden ist.
  • Obst:
    Früchte können mit Bienenwachs oder Schellack (Sekret der Lackschildlaus, E904) gewachst sein, was sich optisch nicht von Carnaubawachs (Blatt-Extrakt der Carnaubapalme) unterscheidet.
  • Nudeln:
    Viele, vor allem italienische Nudeln, enthalten nur Hartweizengrieß. Es gibt aber freilich auch Eierteigwaren. Beim Einkauf gibt die Zutatenliste schnell Aufschluss darüber. Wenn man in der Gastronomie nicht sicher ist, fragt man besser nach.
  • Fruchtgummi:
    Die Süßigkeit hat ihre Konsistenz durch die enthaltene Gelatine, die früher nur aus Knochen und Knorpeln gewonnen wurde. Mittlerweile gibt es eine Palette an veganen Fruchtgummis mit pflanzlichen Geliermitteln.
  • Getränke und Säfte:
    Bier, Wein oder Fruchtsaft werden in der Regel geklärt und das sehr oft mit Gelatine oder Eiweiß. Pflanzliche Versionen enthalten Alternativen wie Bentonit, ein Tonmineralien-Gemisch. Naturtrübe Varianten sind frei von tierischen Bestandteilen.
Karin Rohrer-Schausberger
Karin Rohrer-Schausberger
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