29.03.2022 08:00 |

„Krone“-Reisereportage

Oman: Erfrischende Oase im Orient

Kilometerlange Wüste, schroffe Gebirgszüge, fruchtbare Wadis und traumhafte Strände erwarten den Urlauber im Oman. Der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt dem Sultanat harmonischer als seinen Nachbarn.

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Der Duft von Weihrauch steigt einem sofort in die Nase. Die „Tränen Allahs“ – wie das Harz ehrfürchtig genannt wird – dürfen auch heute noch in keinem Haushalt im kleinen Sultanat Oman fehlen. Die Nachfrage nach einem der begehrtesten Rohstoffe der Antike und damaligem Exportschlager, der sogar mit Gold aufgewogen wurde, hat weltweit nachgelassen, aber hier ist er allgegenwärtig, jede Familie hat mindestens einen Weihrauchbrenner im Haus. Im Südwesten des Omans, in der Provinz Dhofar, wachsen die berühmtem Weihrauchbäume, deren Harz einst über die Weihrauchstraße, eine der ältesten Handelsrouten, von Südarabien zum Mittelmeer transportiert wurde.

Tee, Kaffee und Datteln zur Begrüssung
Zum Weihrauch in den Straßen von Muscat, Hauptstadt des Omans, mischt sich der Geruch von Kardamom, Zimt und Nelken. Der starke und süße Gewürztee Masala Chai holt dich nach einem Nachtflug garantiert wieder ins Leben zurück. Tee oder auch der typischen Omani-Kaffee werden an jeder Ecke aufgewartet. Datteln dürfen dabei auch nie fehlen. Am Ausgangspunkt unserer Reise durch das Sultanat, das im Südosten der Arabischen Halbinsel liegt, ist die Moschee des Sultan Qabus ein Anziehungspunkt. Sie leuchtet besonders frühmorgens wegen ihrer hellen Steinverkleidung im Sonnenlicht.

„Zeitig aufstehen empfiehlt sich, da man das Bauwerk dann gefühlt für sich alleine hat“, weiß auch Achmed, unser Reiseführer, der ursprünglich aus Ägypten stammt, Deutsch studiert hat und zur allgemeinen Erheiterung gerne in perfekten Reimen spricht.

Rund fünf Millionen Einwohner zählt der Oman, mehr als ein Drittel davon sind Immigranten. Beeindruckend in der Moschee ist unter anderem der acht Tonnen schwere Luster mit über 1000 Lampen mit Swarovski-Kristallen im Gebetshaus, der die wunderschönen blauen Kachelmosaike fast überstrahlt. Hier wird es greifbar, das Märchen aus „Tausendundeiner Nacht“.

Im Gegensatz zu seinen Nachbarn hat sich das Sultanat mehr von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Man setzt zwar seit gut zwei Jahrzehnten auf den Tourismus, aber wer erwartet, auf Prunk und Protz zu treffen, der ist dann doch in den Emiraten besser aufgehoben. Bauliche Superlative wird man ebenso wie Massentourismus nicht finden. Stattdessen viel Orientalisches, gepaart mit modernen Einflüssen.

Der 2020 verstorbene und weit über die Landesgrenzen angesehene Sultan Qabus bin Said veränderte in seiner 50-jährigen Herrschaft das Sultanat nachhaltig. Als er 1970 seinen Vater, wegen der Rückständigkeit des Landes, vom Thron absetzte, war er noch umstritten, dies sollte sich schnell ändern. Der neue Sultan Haitham bin Tariq möge es ihm gleichtun.

Mit dem mehrheitlich gelebten Ibadismus findet sich im Oman eine moderne islamische Strömung. Toleranz gegenüber anderen Religionen und die Nichteinmischung in Angelegenheiten anderer Staaten gilt sozusagen als Staatsdoktrin. Oder wie die Omanis nicht ohne Stolz behaupten: „Wir sind die Schweiz des nahen Ostens.“

Auf perfekt ausgebauten Straßen geht es weiter auf Entdeckungstour nach Sur, einer alten Hafenstadt, wo man in den Dhau-Werften die traditionellen Holzschiffe herstellt, die heute noch an die kühnen Abenteuer der Seefahrer erinnern. Ab und an muss man natürlich einem Dromedar oder Kamel den Vortritt lassen.  

Pflichttermin für jeden Touristen ist ein Besuch in einem Wadi. Palmengesäumt und mit Flussläufen inmitten von Wüsten- und Felslandschaften verwandeln sich karge Trockentäler durch unterirdische Wasserläufe in blühende Erholungsparadiese für die Omanis – und die Touristen. Im bekanntesten und wohl schönsten Wadi, Bani Khalid, erfrischen wir uns im Wasser, bevor es in ein komplett gegensätzliches Abenteuer geht. Denn die Wüste wartet auf uns. Und zwar Wahiba Sands, die sich auf rund 12.500 km² erstreckt.

Camps in jeder Preisklasse erwarten die Gäste neben viel Adrenalin in Form von Jeepsafaris durch die Dünen. Dem Fahrer merkt man an, dass er diese schon oft gemacht hat. Die kreischenden Mitfahrenden fühlen sich eher wie auf einer Achterbahn. Spaßfaktor also ziemlich hoch. Abends wird es unter dem Wüstensternenhimmel dann fast märchenhaft romantisch.

Der nächste landschaftliche Gegensatz folgt mit dem Hajar-Gebirge und dem höchsten Berg des Oman, dem Jebel Shams, samt Ausblick in die 1000 m tiefe Wadi-Nakhar-Schlucht, die als „Grand Canyon“ des Oman bezeichnet wird. In den senkrecht abfallenden Felswänden legte man früher Terrassenfelder an. Ursprünglich wird es wieder in Al Hamra, einer der ältesten und am besten erhaltenen Städte des Oman.

Man streift durch die verwinkelten Steinstraßen mit den traditionellen Lehmziegelhäusern, die man behutsam versucht zu erhalten. Wer wissen will, wie so ein Haus von innen aussieht, dem empfiehlt sich ein Besuch des Erlebnismuseums Bait al Safah, ein 400 Jahre altes Haus voller Artefakte und historischer Möbel. Schon restauriert sind hingegen einige der zahlreichen Forts und Festungen, wie zum Beispiel das Fort von Nizwa und Jabrin Castle. Dort erfahren Sie auch, warum heißer Dattelsyrup auch für die Feindabwehr herhalten musste

Diana Krulei, Kronen Zeitung

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