Mo, 12. November 2018

Die Wikinger kommen

30.05.2011 11:54

Auf Cup-Sieger Ried wartet nun das Abenteuer Europa

Mit dem 2:0-Finalsieg über den Erste-Liga-Vertreter Austria Lustenau hat sich die SV Ried am Sonntag nicht nur den zweiten Cup-Triumph nach 1998, sondern auch einen Platz in der Europa-League-Qualifikation erspielt. "Die Erwartungen sind jetzt wohl gestiegen", meinte Trainer Paul Gludovatz, der mit dem "Dorfklub" den ersten Vereinstitel seiner Trainerkarriere feiern durfte. Auch wenn die Innviertler Fußballwelt nun wohl einige Tage lang Kopf steht, will man im Verein aber weiter Besonnenheit walten lassen.

Das Ticket für die europäische Bühne besitzt für den Klub jedenfalls keine Planungsrelevanz. "Das spielt für das Budget keine Rolle und ändert auch an der Personalplanung nichts", hatte Ried-Manager Stefan Reiter schon vor dem Spiel erklärt - und bestätigte dies auch im Moment des Triumphs. Neuverpflichtungen solle es nur in kleinem Ausmaß geben. Auch Gludovatz machte sich keine Illusionen: "Große Sprünge werden wir uns nicht erlauben, das klingt schon vom Management durch."

Große Gegner warten auf Ried
Das Abenteuer Europacup ist für die Oberösterreicher nicht unbedingt mit positiven Erinnerungen besetzt: Im August 2007 waren die Rieder in der zweiten Quali-Runde des UEFA-Cups an Sion (gesamt: 1:4) gescheitert. Diesmal steigt man in der dritten und vorletzten Qualifikationsrunde der Europa League ein. Weil man ungesetzt ist, warten dort freilich Gegner wie Atletico Madrid, Fulham, Sparta Prag oder Dinamo Bukarest.

Spielort wird die heimische Keine-Sorgen-Arena sein. Auslosung ist am 16. Juli, gespielt wird am 29. Juli bzw. 5. August. "Vielleicht können wir eine Runde überstehen und international auf uns aufmerksam machen, das wäre doch schön", meinte Gludovatz. Für ihn ist der Europacup-Auftritt ein Novum.

Doppel-Torschütze Hammerer erfüllt sich einen Traum
Jungspund Markus Hammerer, der mit zwei Kopfballtoren den Triumph erst möglich machte, gab sich diesbezüglich ahnungslos. "Ich habe bis heute nicht einmal sagen können, in welcher Quali-Runde der Cupsieger spielt", sagte der 21-Jährige. "Sonst sieht man solche Spiele ja nur im TV, wir dürfen sie jetzt selbst erleben." Seinen Doppelpack muss er erst verarbeiten: "Das erträumt man sich, dass man ein wichtiges Goal in so einem Match schießt, bei mir sind es jetzt sogar zwei."

Für Hammerer war es der krönende Abschluss einer Saison, in der er erst im Frühjahr vermehrte Einsätze erhalten hatte und es auf insgesamt drei Liga-Treffer brachte. "Das war jetzt sicher das Frühjahr meines Lebens. Im Winter habe ich ein bisschen etwas geändert, auch im mentalen Bereich etwas probiert und richtig Gas gegeben", sagte der Jus-Student, der vor zwei Jahren noch für den SK Altheim in der Landesliga West, also in der fünften heimischen Klasse, tätig gewesen war. Inzwischen wird er in den Medien schon mit einem Wechsel zu Rapid in Verbindung gebracht. "Das habe ich auch irgendwo gelesen, aber das sind nur Gerüchte", sagte Hammerer dazu.

Gludovatz gibt sich nach Cup-Triumph bescheiden
Sein Trainer gab sich nach dem ersten Vereins-Titel seiner Karriere - im Alter von 64 Jahren - bescheiden: "Der Titel ist für die Region und für die Spieler nachhaltiger als für mich." Lieber wäre ihm dann aber doch der Double-Gewinn gewesen. "Ich muss jetzt mit dem einen Titel zufrieden sein, aber ich hätte gerne noch einen zweiten geholt", gestand er. Schließlich waren die Rieder als "Winterkönig" der Bundesliga in der Endabrechnung "nur" auf Rang vier gelandet. Der langjährige ÖFB-Nachwuchs-Coach sah sich aber am richtigen Weg. "Ich bin angetreten, den Klub zu stabilisieren. Das Ziel bleibt, bester Klub außerhalb der vier Großen zu werden."

Kapitän Oliver Glasner, so wie Manager Reiter schon beim ersten Cupsieg 1998 dabei, war überwältigt. "Für mich ist das der absolute Höhepunkt. Dieser Titel steht ein bisschen über dem von 1998", sagte der 36-Jährige. "Erstens ist es immer schwieriger, etwas zu wiederholen, und zweitens habe ich vor einem Jahr schon überlegt, meine Karriere zu beenden. Ich war ja acht Monate verletzt und habe mir bei der Therapie oft gedacht: 'Warum tust du dir das eigentlich noch an?' Seit heute weiß ich warum."

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