Leser fragen - der Experte antwortet! Edwin Benko, Leiter des Kriseninterventionsteams Steiermark, gibt gute Tipps, wie man mit den schrecklichen Bildern aus dem Krieg umgeht.
Wie erkläre ich meinem Kind den Krieg?
Je nach Alter des Kindes gibt es unterschiedliche Verarbeitungs-Mechanismen. Prinzipiell sollte man mit kleinen Schritten beginnen: Erklären, dass gerade Menschen aufeinander böse sind, sie zu streiten und zu raufen begonnen haben und sie sich letztlich weh tun. In einem Krieg verwenden sie sogar Waffen. Gleichzeitig ist es wichtig zu betonen, dass wir das nicht wollen! Kinder suchen bei Unsicherheiten Nähe, besonders zu ihren Hauptbezugspersonen wie Mama und Papa. Sie müssen ihnen Wärme und Geborgenheit vermitteln. Erwachsene sollten jetzt nicht Unsicherheit zeigen, sondern sich überlegen, wo sie sich selbst stärken können, um letztlich auch ihre Kinder zu stärken.
Erst Corona, jetzt die Ukraine. Gibt es endlich auch einmal etwas Positives?
Die aktuelle Situation ist eine große Herausforderung für uns alle. Gleichzeitig gibt es auch ganz viel Positives, jetzt und in der Zukunft: Wir können miteinander reden, die meisten von uns haben eine sichere Arbeit, wir haben ein gutes soziales Netz, Freunde, mit denen wir uns treffen können. Wir haben eine wunderschöne Natur, wir können hinausgehen. Es können wunderbare Gerüche sein, die uns erfreuen, oder schöne Musik. Das müssen wir uns jetzt wieder bewusst machen.
Die furchtbaren Bilder lassen mich nicht schlafen. Was soll ich tun?
Schlaf ist wichtig, ich vergleiche den Schlaf mit der Steckdose für ein Elektroauto. Das Erlebte des Vortages wird verarbeitet und aufgeräumt, damit wir uns erholen können und gestärkt in den nächsten Tag gehen können. Wenn Schlaf durch solche Bilder nicht möglich ist, ist man am nächsten Tag nur müde und nicht leistungsfähig. Lassen wir am Abend das Gute des zu Ende gehenden Tages Revue passieren: Ich hatte ein nettes Gespräch, habe einen freundlichen Menschen an der Kassa getroffen, die Sonne hat mich gewärmt. Wenn ich einschlafen kann und ständig grüble: wieder aufstehen, Gedanken aufschreiben. Das schafft Abhilfe.
Ich habe Angst und Sorgen, kann das Leid nicht mehr sehen. Ist das eine Verleugnung der Realität?
Nein, es geht um das richtige Maß. Von Kindern können wir das lernen: Sie fragen, wenn sie etwas wissen wollen, und gehen dann wieder spielen. Erwachsene übersehen oft dieses rechte Maß. Sie sehen sich permanent Liveticker an, und mit der Zeit kommt es zu einer Reizüberflutung. Es ist wichtig zu sehen, was in der Ukraine passiert, gleichzeitig dürfen wir aber dankbar sein, dass wir das in Österreich nicht erleben müssen. Wichtig ist, nur so viel Nachrichten zu konsumieren, um informiert zu sein, dann aber abschalten.
Ist Angst an sich etwas Schlechtes?
Prinzipiell ist Angst eine Grundanlage des Menschen, die uns hilft zu überleben, auf sich aufzupassen. Angst wird erst dann zu einem körperlichen oder psychischen Problem, wenn sie überbordend wird: wenn man nur mehr denkt, es kann alles schlecht ausgehen, man sich nicht mehr aus dem Haus traut. Wenn Angst zum Problem wird, sollte man sich medizinische und psychologische Hilfe holen. Negative Nachrichten in positive zu verwandeln, kann man lernen: Alles wird gut werden, mein Freund kommt sicher nach Hause, wir bewältigen auch diese Krise etc.








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