05.02.2022 10:00 |

Schönste Wanderrouten

Eine winterliche Tour über den Wolken

Mit der Seilbahn geht es von Bezau zur Bergstation Baumgarten und von dort auf dem Panoramaweg auf die Niedere Höhe. Der beliebte Startplatz für Paragleiter bietet einen grandiosen Panoramablick.

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Klare Luft einatmen, die Sonne genießen und den Blick über unzählige Berggipfel schweifen lassen - ein herrlicher Ausflug in die Natur, der je nach Lust und Laune sportlich oder gemütlich gestaltet werden kann. Von Bezau geht es mit der Seilbahn über die Mittelstation Sonderdach hinauf bis zur Bergstation Baumgarten auf 1630 Meter Höhe. Gleich nach dem Ausstieg werden die Schneeschuhe angeschnallt und man folgt der Ausschilderung auf den Panoramaweg. Schon nach den ersten Höhenmetern bietet sich eine beeindruckende Aussicht auf die Gebirgskette des hinteren Bregenzerwaldes mit Weitblick bis in die Schweiz, ins Allgäu und nach Tirol.

Weit unten im Tal hält sich zu dieser Jahreszeit oft Nebel, der die Berge wie ein Meer umspült. Der Wanderer aber bewegt sich auf dem Bergrücken „Niedere“ in der Sonne, der Himmel scheint fast zum Greifen nah. Die Seilbahnanlage in Bezau ist über 300 Tage im Jahr in Betrieb, der überwiegende Anteil der Fahrgäste wird allerdings in den Sommermonaten transportiert.

Aufgrund der überaus stabilen Thermik ist das Gebiet ein Mekka für Paragleiter. Bei passender Witterung kann man ihnen auch im Winter bei den Flug-Vorbereitungen an den Startplätzen Baumgarten und Niedere zuschauen.


Beeindruckendes Bergpanorama
Nach einem sanften Anstieg ist relativ bald die Niedere Höhe auf 1714 Meter erreicht. Diese bildet den höchsten Punkt im Kammverlauf der Niedere Alpen. Von dort reicht der Blick bei klarer Sicht bis zum Bodensee. Direkt vor einem ragen die Gipfel des Tristenkopfes, der Winterstaude und der Stongerhöhe empor - ein beeindruckendes Panorama. Ab der Abzweigung Niedere Höhe ist der Weg nicht mehr präpariert, man folgt den Spuren, die andere Tourengeher hinterlassen haben. Nun kommen die Schneeschuhe voll zum Einsatz. Vorbei an eisverkrusteten Tannen und Sträuchern geht es weiter.

Entlang der Strecke verläuft auch ein alpgeschichtlicher Lehrweg, anhand von Infotafeln lassen sich viele interessante Fakten in Erfahrung bringen. So zum Beispiel, dass der Bereich „In Häfo“ (Häfen, 1680 m), der unterwegs passiert wird, ein Ort ist, an dem auf engstem Raum alle Klimastufen vertreten sind. Der eigentümliche Name für die Gegend beruht auf einer geographischen Gegebenheit: Gesteinslösende Niederschlagswasser haben über die Zeit tiefe Ausbuchtungen (sogenannte Dolinen) im Felsen hinterlassen. Diese werden aufgrund ihrer Ausformung von den Einheimischen als „Häfo“ (Plural für einen irdenen Topf oder Kessel) bezeichnet.

Gerüchten zufolge sollen bei Schneeschmelze hier eingeworfene Holzspäne nach einigen Tagen in der fünf Kilometer westlich entfernt liegenden Brühlbachgrotte wieder zum Vorschein kommen. In den „Häfo“ kann man klimatisch eine Temperaturumkehr beobachten. Am oberen Rand gedeihen wärmeliebende, voralpine Pflanzenarten, am Grund sind im krassen Gegensatz dazu arktische Pflanzengesellschaften angesiedelt.

Vorsicht ist immer geboten
Momentan liegt das alles freilich unter einer Schicht aus Eis und Schnee verborgen. Imposant ist der Blick auf die gegenüberliegende Bergseite, wo die Felswände fast senkrecht abfallen. Es empfiehlt sich, auf der vorgegebenen Spur zu bleiben und nicht zu nah an die Felskante zu treten - die Schneedecke kann trügerisch sein und scheinbar festen Boden vorgaukeln, wo in Wahrheit bereits der Abgrund klafft.

Fakten

Eine Infotafel am Lehrpfad weist darauf hin, dass die steilen Felswände in dem Gebiet zwischen Bezau und Andelsbuch aus einstigen Meeresablagerungen entstanden sind. Diese wurden im Laufe der Zeit aufgehoben und aufgefaltet, als die Erdplatten in Bewegung waren. Durch die tektonischen Prozesse wurden aufsteigende Eisendämpfe in den Gesteinsschichten eingelagert. Viele Millionen Jahre später haben Menschen auf der Suche nach Schätzen und Reichtum immer wieder versucht, diese Erze abzubauen. Ein solcher ehemaliger Abbaustollen - Erzloch genannt - befindet sich unterhalb der Felsabstürze (Hinweistafel am Weg Richtung Niederalpe). Es handelt sich um einen etwa 25 Meter langen und circa 1,80 Meter hohen Schacht, der mühevoll von Hand in den Fels gehauen wurde. Das daraus gewonnene, erzhaltige Gestein wurde über eine Felsrinne abgeworfen und dann mithilfe von Saumtieren (Pferd, Esel, Muli etc.) nach Andelsbuch-Itter zur weiteren Verarbeitung transportiert. Der Erzabbau in diesem Gebiet war aber zu keiner Zeit gewinnbringend und wurde schließlich aufgegeben.

Retour zur Gondelstation
Weiter geht es über den knirschenden Untergrund, zunächst ein Stück weit zwischen Nadelbäumen und Strauchwerk hindurch, dann tritt man auf eine baumlose Anhöhe, wo eine Bank zur kurzen Rast einlädt. Nun rücken auch wieder Skipisten und Liftanlagen ins Blickfeld. Der Weg aber führt parallel zur Bergkante zwischen vereinzelt stehenden Bäumen entlang. So gelangt man schließlich bis zum Berggasthof der Niederalpe (Öffnungszeiten je nach Schneelage und Betrieb der Bergbahn) mit seiner schönen Holzkapelle. Dies ist die letzte Station der Tour. Da die Skipiste mit den Schneeschuhen nicht überquert werden kann, geht es dieselbe Strecke wieder retour bis zur Gondelstation Baumgarten.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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