04.02.2022 15:39 |

Lockere Notenvergabe

Österreichs Industrie fehlen rund 10.000 Lehrlinge

Den Unternehmen in Österreich fehlen laut IV-Chef Georg Knill durch die in der Pandemie lockere Notenvergabe an den Schulen mittlerweile an die 10.000 Jugendliche in der Lehrausbildung. Die Aufstiegsklausel habe dazu geführt, dass mehr Jugendliche im Schulbetrieb geblieben seien, was für die Lehre einen „Hemmschuh“ darstelle.

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Eine im Jänner durchgeführte Umfrage untermauert dies. Dieser zufolge haben 40 Prozent der 14- und 15-Jährigen derzeit keine Probleme in der Schule. Sie gaben an, dass ein Sitzenbleiben für sie unwahrscheinlich ist. Gleichzeitig ergab die Umfrage, dass nur mehr 62 Prozent der Jugendlichen die Lehre als attraktiv einschätzen. Vergangenes Jahr bei einer ähnlichen Befragung waren es noch 71 Prozent.

Für die Wirtschaft wird es immer schwieriger, genug geeignete Kandidaten zu finden. Umgekehrt ist es für Jugendliche derzeit viel einfacher, eine gute Lehrstelle zu finden. Sie können sich sozusagen aussuchen, in welchem Unternehmen sie ihre Lehrausbildung beginnen, fasst Marktforscher David Pfarrhofer vom Market Institut die Ergebnisse der Befragung zusammen.

Mädchen für technische Berufe begeistern
IV-Chef Knill sagte, die Industrie müsse noch stärker als bisher die Chancen einer Lehre aufzeigen. Er sagte, eine Arbeiterin in der Metallindustrie verdiene in ihrer Lebenszeit doppelt so viel wie eine Friseurin und ähnlich viel wie ein Akademiker. Neben dem Bemühen, gezielt Mädchen für technische Berufe zu begeistern, werde es künftig eventuell ein Thema werden, auch Abgängern von chancenlosen Studienrichtungen noch eine Lehrausbildung zu ermöglichen, so der Generaldirektor der Energie AG, Werner Steinecker.

Personalbedarf steigt weiter an
Wie Verbund-Chef Michael Strugl erklärte, spüre das Unternehmen bereits den demografischen Wandel. So gebe es aufgrund der Geburtenrückgänge weniger Jugendliche im Alter von 15 Jahren, die für eine Lehre infrage kommen, gleichzeitig steige der Personalbedarf. Firmen sind derzeit nämlich damit konfrontiert, dass viele Mitarbeiter der geburtenstarken Babyboomer-Generation in Pension gehen. 

Lehrlingsbeauftragter in Regierung gewünscht
In Richtung Politik sagte zlö-Initiator Steinecker, es bräuchte in der Bundesregierung einen Lehrlingsbeauftragten, wenn nicht sogar einen Staatssekretär. Immerhin gehe es aufgrund des Fachkräftemangels um Milliardenbeträge. In den neuen Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) setzt er große Erwartungen, mehr als es beim Vorgänger der Fall war, so Steinecker.

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