22.12.2021 08:00 |

Mehr als 100 Abnehmer

Drogenring bei filmreifem Einsatz zerschlagen

Insgesamt 300 Polizisten machten sich in den frühen Morgenstunden des 13. Dezembers zu einer Großrazzia in Kärnten auf. In Klagenfurt, Villach und Spittal wurden Dealer-Verstecke gestürmt und Verdächtige festgenommen.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Filmreife Szenen spielten sich am 13. Dezember in Villach, Klagenfurt und Spittal an der Drau ab, als die Polizei mit einem Großaufgebot von knapp 300 Beamten, darunter mehrere Teams des Einsatzkommandos Cobra, Diensthundestaffeln sowie Suchtgiftermittlern aus den Bezirken, zeitgleich einen Zugriff auf die Verstecke des Kärntner Drogenkartells durchführte.

„Insgesamt wurden 16 Häuser gestürmt und durchsucht“, schildert Oberst Gottlieb Türk, der Leiter des Kärntner Landeskriminalamtes: „Nach monatelanger Vorbereitungszeit starteten wir einen der größten kriminalpolizeilichen Einsätze, den es jemals in Kärnten gegeben hat.“ Der Grund dafür: „Gegen elf Personen wurde eine Festnahme ausgesprochen, da sie unter Verdacht stehen, Kokain im großen Stil aus Slowenien nach Kärnten geschmuggelt, dieses dann in verschiedenen Wohnungen und Büros gestreckt und in weiterer Folge in Klagenfurter und Villacher Lokalen weiterverkauft zu haben. Als Hauptumschlagplatz diente dabei ein Labor in der Villacher Innenstadt“, so Türk.

Zitat Icon

Bei diesem landesweiten Kommandoeinsatz handelt es sich um einen der größten Schläge gegen die Drogenkriminalität in Kärnten.

Gottlieb Türk, Leiter des Landeskriminalamtes Kärnten

Zugriff brauchte Planung
Für die großangelegte Operation wurde sogar eine eigene Einsatzzentrale eingerichtet. „Anders wäre es gar nicht machbar gewesen, denn der logistische Aufwand hinter so einem Zugriff ist enorm. Um elf Festnahmen zeitgleich an 16 Standorten über die Bühne zu bringen, bedarf es einer umfassenden taktischen Vorbereitung“, erklärt Türk, der sich der Gefahren eines solchen Einsatzes stets bewusst ist. „Am Einsatzort angekommen, weiß man trotzdem nie zu hundert Prozent, was einen erwartet, oder – so wie in dem Fall – wie viele Menschen tatsächlich hinter der Tür stehen. Deshalb wurden auch mehrere Beamte pro Standort positioniert. Während die einen die Gebäude durchsuchten, sicherten die anderen diese weiträumig ab.“

Dieser Einsatz sei jedoch ohne gröbere Zwischenfälle verlaufen. Der Zugriff erfolgte im richtigen Moment und die elf Verdächtigen, darunter ein Österreicher, drei Bosnier, zwei Slowenen, zwei Albaner, zwei Kroaten und ein Ägypter im Alter von 20 bis 63 Jahren, wurden überrascht und ließen sich widerstandslos festnehmen. „Unter ihnen war auch eine Frau, doch sie wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft bereits wieder freigelassen. Die restlichen zehn Männer sind zum Teil amtsbekannt und befinden sich in Haft. Die Einvernahmen werden aber sicher noch länger dauern, alleine aufgrund der Sprachbarrieren“, so der Kripo-Chef.

Fakten

  • 40 illegale Substanzen werden in Kärnten als Suchtmittel geführt
  • 2018 waren 25 Drogentote in Kärnten zu beklagen
  • Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen kostenlose Suchtberatungsstellen
  • Konsumenten werden immer jünger und die eingenommenen Mengen immer größer
  • Durch die Nähe zu Slowenien kursieren in Kärnten viele Suchtmittel

Neben dem Kokain wurden auch Bargeldbeträge im fünfstelligen Eurobereich, mehrere Waffen – darunter eine scharfe Glock mit 300 Schuss Munition – und ein Audi A8, der als Schmuggelfahrzeug gedient hatte, sichergestellt. „Die Täter gingen dabei sehr gefinkelt vor, änderten immer wieder ihre Schmuggelrouten“, sagt Türk und ergänzt: „Die Männer dürften zudem der rechtsextremen Szene angehören. Wir haben mehrere Devotionalien, die dem Verbotsgesetz unterliegen, sichergestellt.“

Wie viel Kokain in Umlauf gebracht wurde, steht derzeit noch nicht fest. Mindestens 100 Abnehmer aus ganz Kärnten konnten aber bereits ausgeforscht werden. „Wenn die Befragungen beendet sind, rechnen wir mit noch mehr.“

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mittwoch, 26. Jänner 2022
Wetter Symbol
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)