21.11.2021 17:39 |

Coronavirus

Milder Verlauf in Afrika überrascht Experten

Die WHO hat unlängst heftige Kritik an den westlichen Staaten geübt und das Einstellen der Corona-Auffrischungsimpfungen für Gesunde gefordert. „Täglich werden weltweit sechsmal mehr Auffrischungsimpfungen verabreicht als erste Impfdosen in Ländern mit niedrigen Einkommen. Das ist ein Skandal, der jetzt gestoppt werden muss“, betonte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Befürchtungen der WHO und internationaler Epidemiologen bezüglich einer unkontrollierbaren Ausbreitung des Coronavirus zum Beispiel auf dem afrikanischen Kontinent haben sich aber offenbar nicht bewahrheitet. Womöglich werden dort die Corona-Impfstoffe gar nicht so dringend benötigt.

Tatsächlich begannen die Infektionszahlen auf dem Kontinent nach einem Anstieg im Sommer wieder spürbar zu sinken. Und das ist nicht einem enormen Anstieg der Impfquote zu verdanken. Als Spitzenreiter beim Impfen gilt Europas Nachbar Marokko, der knapp 61 Prozent seiner Bevölkerung bisher entsprechende Injektionen verabreicht hat. Ein Blick auf die weltweiten Vakzinierungszahlen beweist aber, dass Afrika sehr weit hinten ist (siehe Tweet unten).

Allerdings weist die Johns-Hopkins-Univeristät für Afrika sowohl bei den Inizidenzen und den Todesfällen als auch bei den Neuinfektionen viel geringere Werte aus. Dies bemerkt man bereits auf einen Blick, wenn man sich das Dashboard unten ansieht. Der afrikanische Kontinent weist viele kleine rote Punkte auf. In Europa, in den USA und in Südamerika sind viel größere Punkte, was ganz klar auf ein intensiveres Pandemie-Geschehen hinweist.

Jüngere Bevölkerung, geringer Urbanisierungsgrad
Doch was sind die Gründe dafür? Warum haben sich die Experten offenbar verschätzt? Natürlich ist die Testinfrastruktur in den meisten Staaten nicht so gut ausgebaut wie in Europa. Dadurch werden zahlreiche Symptomlose nicht entdeckt. Dennoch glaubt Dr. John Nkengasong, Chef der Afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC, nicht, dass viele mit einer Corona-Erkrankung in Verbindung stehende Todesfälle übersehen wurden. Der Virologe aus Kamerun, der selbst eine schwere Corona-Infektion hinter sich hat und in einem BBC-Interview im Sommer betonte, dass er ohne Impfung „wahrscheinlich nicht mehr da wäre“, führt zwei wohl wichtige Gründe für die niedrigen Todeszahlen an: eine durchschnittlich viel jüngere Bevölkerung und weniger chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes.

Eine weitere Erklärung für den „harmloseren“ Verlauf der Pandemie ist wohl auch die Tatsache, dass die epidemieerfahrenen afrikanischen Regierungen rasch gehandelt und Maskenpflicht, Kontaktreduzierungen und Grenzschließungen in Kraft gesetzt hatten. Der geringere Urbanisierungsgrad und die Tatsache, dass sich viele Bereiche des Alltags im Freien abspielen, minimieren auch die Gefahr von Cluster-Bildungen. Südafrika gilt bisher als jenes Land, das am heftigsten von der Pandemie getroffen wurde. Dort werden mehr als 89.000 Todesfälle mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht. Außergewöhnlich hohe Sterberaten sind aus anderen Staaten nicht bekannt.

Was passiert, wenn die vierte Welle kommt?
Dem nigerianischen Virologen Oyewale Tomori zufolge könnte Afrika womöglich weniger auf Impfkampagnen angewiesen sein als der Westen. Salim Abdul Karim, Epidemiologe an der University of KwaZulu-Natal in Südafrika, warnt aber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: „Wenn man sich ansieht, was in Europa passiert, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass mehr Fälle hierher herüberschwappen." Mit Impfungen sollte man sich auf jeden Fall auf die nächste Welle vorbereiten, erklärt der ehemalige Berater der südafrikanischen Regierung.

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