19.11.2021 06:00 |

Bund-Länder-Gipfel

Heute entscheidet sich, ob das Land herunterfährt

Salzburg und Oberösterreich gehen ab Montag in den Lockdown. Ob der auch für Rest-Österreich kommt, zeigt das Treffen der Regierung mit den Landeschefs am Freitag.

Zauderer gibt es nicht nur beim Impfen, sondern auch in der Regierung. Am Donnerstag endete dann aber das Zaudern, und auch zum Zaubern gab es nichts mehr – zumindest für die zwei Corona-Hochburgen.

Hilferuf der Spitäler längst Sirene
„Wenn es zu keinem bundesweiten Lockdown kommt, werden Oberösterreich und Salzburg ab nächster Woche in den Lockdown gehen“, sagte just Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer, der sich vor einer Woche noch fragte, ob die Entwicklung auf den Intensivstationen wirklich so kritisch sei. Dabei ist der Hilferuf der Spitäler längst eine Sirene.

Lockdown nach bekanntem Muster
Konkret gilt in den beiden Ländern die nächsten Wochen de facto eine Ausgangssperre mit den bekannten Ausnahmen: Man darf nur hinaus, um Güter des täglichen Bedarfs zu kaufen, zum Arbeiten oder zur Erholung. Gastronomie, Hotellerie schließen. Schulen bleiben offen, aber wer nicht will, muss sein Kind nicht hinschicken. Bis 17. Dezember wird entschieden, ob der Lockdown weitergeht - oder ob es für Geimpfte Erleichterungen gibt.

Salzburgs Landeschef Wilfried Haslauer, der vor einer Woche noch nichts vom „Einsperren“ hielt, hofft jetzt, aus dem Lockdown „bis Weihnachten rauszukommen. Wir haben uns bemüht, diesen Schritt nicht zu gehen, aber es bleibt uns keine andere Wahl.“

Horrorzahlen: Appell für Bundes-Lockdown
Angesichts der Zahlen kein Wunder: 15.145 Neuinfektionen am Donnerstag, weitere 55 Todesfälle. Wir gehen auf die 1000er-Inzidenz zu. Was das für Rest-Österreich heißt, zeigt sich am Freitag: Da kommt die Regierung wieder zum Gipfel zusammen.

Nach drei Lockdowns könnte das Land nun vor seinem vierten stehen. Vorab hielten sich dazu alle freilich bedeckt. Aus ÖVP-Kreisen war zu vernehmen, dass man sich innerhalb der Partei nicht ganz eins sei.

Doskozil wil sich „solidarisch“ zeigen
Ablehnend gab man sich in Tirol und Niederösterreich, die Steiermark abwartend. Hingegen rechnet Burgenlands SPÖ-Landeschef Hans Peter Doskozil damit, er will sich „solidarisch“ zeigen. Einen „generellen kurzen, aber harten Lockdown“ will auch Kärntens Landeschef Peter Kaiser (SPÖ) am Freitag erörtern. Von der aktuellen „dynamischen Entwicklung kann sich kein Bundesland abkapseln“, so Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Auch in Vorarlberg mehren sich die Stimmen dafür.

Schließung bringt die künftige Erleichterung
Die Tipps aus den Corona-Hochburgen: „Ich kann nur allen Entscheidungsträgern raten, auf die Experten zu hören“, so der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger. Und der Linzer Lungenspezialist Bernd Lamprecht sagt: Der Lockdown werde jetzt zwar „keine unmittelbaren Erleichterungen in den Spitälern“ bringen, aber in den nächsten Wochen: „Und das wäre ohne diesen wichtigen Schritt nicht möglich.“

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Es ist schlimm, mit ansehen zu müssen, wie sich die Patienten quälen. Sie leiden an Atemnot, haben Todesangst. Und sie sind dabei alleine, dürfen keinen Besuch empfangen.

Bettina Stemmer, Dipl. Intensivkrankenschwester LKH Bregenz

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Es macht mich traurig, dass die Schuld immer bei anderen gesucht wird. Es geht darum, dass die breite Bevölkerung bereit ist, Maßnahmen – und hier ist vor allem die Impfung gemeint – mitzutragen.

Intensivmediziner Christoph Hörmann, UK St. Pölten

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In ein, zwei Wochen werden wir triagieren müssen, wenn sich der Trend nicht umkehrt. 90 Prozent unserer Patienten sind ungeimpft, brauchen eine Intensivtherapie, deren Ausgang ungewiss ist.

Intensivmediziner Andreas Brunauer, Uniklinikum Salzburg

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Es brennt der Hut, wir gehen über. Wir brauchen dringend einen harten Lockdown, die Fallzahlen sind viel zu hoch. Es braucht jetzt drastische Maßnahmen und Impfen, Impfen, Impfen.

ÄK-Kärnten-Präsidentin Petra Preiss, Klinikum Klagenfurt

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Klar ist, wir haben keine weiteren relevanten Kapazitäten mehr. Chirurgen wissen nicht mehr, wo sie Patienten hinlegen sollen.

Infektiologe Richard Greil, Uniklinikum Salzburg

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Ich appelliere an alle, noch einmal nachzudenken, ob sie sich nicht doch impfen lassen wollen. Sie würden mithelfen, dass wir diese Pandemie endlich hinter uns bringen können.

Intensivmedizinerin Natalija Cokic, LKH Graz II

Silvia Schober
Silvia Schober
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