18.11.2021 15:14 |

Minister dagegen

Corona-Lockdown: Streit um Schulschließungen

„Ich sehe keine andere Möglichkeit“: Mit diesen Worten hat Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) am Donnerstag Schulschließungen als Teil des Lockdowns angekündigt. Damit ist wieder einmal ein Streit um geöffnete oder geschlossene Schulen entbrannt. Denn die türkis-grüne Bundesregierung hat betont, Schulen unter allen Umständen offen lassen zu wollen - Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) versucht, eine Schließung abzuwenden. Unterdessen machen sich aber auch erste Lehrervertreter angesichts der hohen Corona-Zahlen für eine Umstellung auf Fernunterricht stark.

Dass er nun doch einen Lockdown befürwortet, begründete Haslauer im Ö1-„Mittagsjournal“ mit der „aggressiven“ Zahlenentwicklung. „Wir können leider nicht länger zuwarten.“ Die Schließung der Schulen sei nötig, weil Schüler wegen der vielen Neuinfektionen in dieser Altersgruppe auch die Eltern anstecken. Er wolle die Maßnahme jedenfalls im Gleichschritt mit Oberösterreich ergreifen, betonte ein Sprecher auf Nachfrage gegenüber der APA. In Oberösterreich hieß es wiederum, dass die Frage, ob im Zuge des geplanten Lockdowns auch die Schulen geschlossen werden, noch in Abstimmung sei.

Faßmann warnt vor Wegfallen der Schul-Tests
Bildungsminister Faßmann lehnt Schulschließungen jedenfalls weiterhin ab. Noch könnte man etwas tun, um das Zusperren verhindern, betonte er. Stattdessen plädierte er für Verschärfungen in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Salzburgs Landeshauptmann könne zwar die Schulen selbstständig nach dem Epidemiegesetz schließen. Das würde allerdings auch bedeuten, dass dort keine Betreuung angeboten werden kann und damit Probleme auch für jene Eltern entstünden, die man gerade etwa im Gesundheitsbereich dringend brauche. Mit einer Schließung der Schulen falle zudem das systematische Testen der Schüler samt indirekter Testung ihres Umfelds weg, warnt das Bildungsministerium.

Maskenpflicht als Alternative
Das Ressort schlägt stattdessen für Salzburg und Oberösterreich eine durchgängige Maskenpflicht für alle Schüler vor, bei den Jüngeren mit Mund-Nasen-Schutz, bei den Älteren mit FFP2-Masken - freilich unter Einhaltung von Maskenpausen. Außerdem könne die aktuelle Sicherheitsphase, in der auch geimpfte Schüler sich regelmäßig testen müssen, verlängert werden. Gleichzeitig soll es wieder die Möglichkeit geben, dass sich Schüler aufgrund der hohen Infektionszahlen vom Präsenzunterricht entschuldigen lassen und sich den Stoff über Lernplattformen  daheim aneignen. Obendrein sollen in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium wieder einheitliche Quarantäneregeln definiert werden: Nur der Indexfall soll abgesondert werden, für alle anderen soll der Unterricht weitergehen, wobei durchgängig Maske getragen und täglich getestet werden soll.

Unterstützung in seinem Bemühen um offene Schulen bekommt Faßmann nicht nur von den Bildungsreferenten der Länder, die nach ihrer Sitzung am Mittwoch vor den Folgen einer Umstellung auf Distance Learning gewarnt hatten. Auch für die Bundesschülervertretung können Schulschließungen nur die letzte Option sein. Der Bundesverband der Elternvereine an mittleren und höheren Schulen (BEV) pochte darauf, dass die Schulen - wie von der Bundesregierung versprochen - der letzte Bereich sein dürften, der geschlossen wird. „Sollte es keinen vollständigen Lockdown geben, sollte auch der Präsenzunterricht aufrechterhalten bleiben.“

Gewerkschafter warnen vor Durchseuchung
Unterdessen mehren sich bei den Lehrern Stimmen für eine Schließung der Schulen. Nach den Unabhängigen LehrergewerkschafterInnen (ÖLI-UG), die am Mittwoch eine zweiwöchige Umstellung auf Distance Learning vorschlugen, hat am Donnerstag auch der Sozialdemokratische LehrerInnenverein (SLÖ) ein Ende des „Zweckoptimismus“ an den Schulen gefordert und vor einer „Durchseuchung unserer Schulen“ gewarnt: „Wenn die Politik Zustände wie in Salzburg und Oberösterreich den anderen Bundesländern ersparen möchte und den allgemeinen Lockdown verordnet, darf die Schule als derzeitiges Hochrisikogebiet nicht ausgespart werden, auch wenn wir immer den Präsenzunterricht präferiert haben.“

Die AHS-Vertreter der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) haben unterdessen gemeinsam mit der Österreichischen Professorenunion (ÖPU) für den Fall eines allgemeinen Lockdowns bei gleichzeitig offenen Bildungseinrichtungen gefordert, dass Schulen „nur in absoluten Notfällen als Betreuungseinrichtungen zur Verfügung stehen“ sollen. Außerdem plädieren sie bei diesem Szenario für eine FFP2-Maskenpflicht im gesamten Schulgebäude auch schon für Unterstufenschüler. Zusätzlich solle es drei PCR-Tests pro Woche für alle Personen an der Schule und sofortige Angebote für die Booster-Impfung für Lehrer geben.

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